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  4. Trends im Sommer: 5 neue Modelabels von Profis

Wenn Fashion Editors designen

5 Fashion Brands von denen, die es wissen müssen

Sie finden für Mode die richtigen Worte, huschen von Berufswegen über die Fashion Weeks und drucken Trends auf Hochglanzpapier. Sie atmen, leben und kennen das Business. So mancher Fashion Editor hat die Medienwelt irgendwann verlassen, um auf die andere Seite zu wechseln. Diese neun Redaktorinnen machen jetzt Mode, über die alle anderen schreiben.

Rotate Birger Christensen

Kleider, so spannend wie ein Kinofilm: Die Entwürfe der Ex-Redaktorinnen Jeanette Friis Madsen und Thora Valdimars für ihr Label Rotate Birger Christensen.

Rotate Birger Christensen

Bettter

Who's that girl?
Julie Pelipas ist nicht nur Fashion Director der Vogue Ukraine, sondern auch die mit den grossen Hosen. Die sind oft bis zu fünf Nummern zu gross – Julie gürtet sie eng um die schmale Yoga-Goddess-Taille, schlägt den Bund um, oder näht Überstehendes ab – und ja, das sieht gut aus. Fantastisch gar, minimalistisch und avantgardistisch. Wenn Julie Pelipas eins liebt, dann sind das gut geschnittene Anzüge, gerne auch Männermodelle, auf ihren athletischen Körper hin angepasst – upgecyclet. Ihr druckfrisches Label Bettter nimmt uns jetzt mit ins ukrainische Vintage-Universum.

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Julie Pelipas.

Getty Images
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Was macht Bettter tatsächlich better?
Der erste Drop mit 46 Looks, der Upcycling auf ein neues Level heben soll, launcht noch diesen Monat. Dabei geht es nicht um grosse Kollektionen. Pelipas hat sich selbst die Bedingung kompletter Nachhaltigkeit gestellt. Es gibt keine Einzelteile zu kaufen, man shoppt ganze Looks und ist so sofort komplett angezogen. Jeder Bettter-Signature-Style, in den ganze drei Grössen passen könnten, bestehen aus ukrainischem Second-Hand-Material – sie geben dem Körper ganz nach dem Pelipas`schen Prinzip Raum und dem Kopf einen Denkanstoss, wie Mode in Zukunft aussehen könnte. Welche Prozesse sie besser machen könnte. Bettter eben.
bettter.us

Sleeper

Who's that girl?
Seinen Träumen soll man ja folgen, heisst es. Dazu bleiben wir in der Ukraine: Hier erwachte eine Ex-Fashion-Redaktorin eines Weihnachtsmorgens nämlich mit dem Traum, mitten in einer Schlafanzug-Fabrik gestanden zu haben. Warum daraus kein Label machen, dachte sie sich und holte eine andere Autorin ins Boot. Die Rede ist von Kate Zubarieva und Asya Varetsa, die inzwischen seit 2014 unter dem Namen Sleeper (oh, Wunder) Sleepwear entwerfen, die auch für die Senkrechte gedacht ist. Apropos senkrecht: So raketenhaft durchgestartet sind die beiden, nachdem die inzwischen verstorbene Chefredaktorin der italienischen Vogue, Franca Sozzani, sie zum «Brand des Monats» kürte.

Instagram/asyavaretsa

Kate Zubarieva und Asya Varetsa.

Instagram/asyavaretsa

Warum ist Sleeper nicht zum Einschlafen?
Mira Duma, Veronika Heilbrunner, Emily Ratajkowski, Leandra Medine, Pandora Sykes ... Kaum ein Influencer hat sich den Traum vom zuckersüssen, federbesetzten Pyjama noch nicht erfüllt. Jetzt, wo das Bett lange Zeit der aufregendste Ort der Wohnung war, und das Nachthemd als entzückendstes Kleid des Sommers trendet wie blöd, sind die bauschigen Leinenwolken von Sleeper die luxuriöseste und dennoch bezahlbarste Option, um im Grünen stilvoll den Käse vom sorgfältig bestückten Holzbrett zu nehmen. Kate und Asya haben mit ihrem Traum von salonfähiger Nachtwäsche auch unseren erfüllt. Sie achten zudem auf nachhaltige Produktion und laden im Team alle zwei Wochen zum Vino. Cheers to that!
the-sleeper.com

Henning

Who's that girl?
Erst modelte Laura Chan. Dann arbeitete sie im Fashion-Ressort der Glamour. Und dann tat sie, was sie tun musste: etwas ändern. Die Erzählweise von Mode stören. Sie neu schreiben. Während Lauras spindeldürre Editor-Kolleginnen in der Redaktion und auf den Fashion Weeks in Designer-Klamotten herumstolzierten, hatte sie mit einer Kleidergrösse, die zwischen 42 und 50 schwankte, nie die Wahl: Übergrössen schienen auf Fast-Fasion-Brands beschränkt. Sie kündigte ihren Job und gründete den Plus Size Brand Henning – um Grössen ab 42 den zeitgenössischen Luxus zu schenken, den sie verdient haben.

Instagram/lcchan

Laura Chan.

Instagram/lcchan

Wer ist eigentlich Henning?
So genau wissen wir das nicht. Fest steht: Henning hat sich erstmals auf der New York Fashion Week präsentiert und darf seither mit perfekt geschnittenen Wollblazern, Seidenkleidern und klassischen Trenchcoats in Verbindung gebracht werden. Henning ist dabei ganz clever konstruiert: Die luxuriösen Basics gehen auf den Körper ab Grösse 42 ein, bestechen durch Knopfleisten, die nicht aufklaffen, in die Hosenbeine ist Geltape eingenäht, um ein Scheuern der Innenschenkel zu verhindern. Das alles passiert nicht auf Kosten des Designs. Laura Chan macht Power Suits für Powerfrauen – denn Girl Boss ist man völlig unabhängig von der Beschaffenheit des Körpers. 
henningnyc.com

Blazé

Who's that girl?
Es war einmal ... bei der italienischen Elle. Da arbeiteten Corrada Rodriguez D‘Acri, Delfina Pinardi und Sole Torlonia Seite an Seite mit den ganz Grossen im Business. Ihre Leidenschaft für Styling, Luxus und – ja, die Geschichte des Blazers, verband die drei Mailänder Grazien. Hatten sie es doch im Gefühl, dass der Blazer die Welt für sich einnehmen würde wie kein anderes Kleidungsstück in den letzten Jahren. Sie experimentierten mit hochwertigen Materialien, verfeinerten Schnitte und reinterpretierten. So finden sich in den Kollektionen auch Mäntel und Minikleider – mit Perlen, Pailletten und Fransen auffrisiert. Mit einer Abwandlung des französischen Adjektivs «blasé», zu deutsch nonchalant, leicht überheblich und äusserst anspruchsvoll, beschreibt der Labelname Blazé die Kollektionen perfekt.

vhj

Corrada Rodriguez D‘Acri, Delfina Pinardi und Sole Torlonia.

Blazé Milano

Ist es nicht blasiert, weit über 1.000 Franken für einen Blazer zu verlangen?
Naja, wer es sich leisten kann, hat vermutlich ein Leben lang Freude an einem der High-End-Teile der Moderedaktorinnen aus Mailand. Wer sich für Blazé entscheidet, bekommt Perfektion: Da sind die messerscharfen Revers, die halbmondförmigen Taschen, die makellose Passform, der Samt, der Kord, der Brokat. Die Innentaschen ersetzen die Clutch, das coole Party Chic hat Zigaretten und Kreditkarte also immer am Leib. In einem der Blazé Ateliers in Mailand oder Rom kann man sich durch dicke Bücher mit Stoffmustern wälzen und ganze Knopf-Meere durchwühlen – da nämlich gibts den Blazer nach Wunsch und Mass. Für viel Geld und dafür aber für immer.
blaze-milano.com

Rotate Birger Christensen

Who's that girl?
Es ist nicht eins, es sind zwei – auch wenn sich die beiden blonden Däninnen auf den ersten Blick ein bisschen ähnlich sehen. Seit ihrer Zeit beim Modemagazin Costume sieht man Jeanette Friis Madsen und Thora Valdimars eigentlich nur noch zusammen: An den Fashion Weeks, auf Instagram, auf dem Runway ihres 2018 gemeinsam mit dem Concept Store Birger Christensen gegründeten Labels Rotate. Hand in Hand lassen sich Jeanette und Thora, Hanni und Nanni der Fashion Welt, dann beklatschen und sehen in ihren eigenen Kleidern natürlich am entzückendsten aus. Nach dem eklektischen Stil des Duos verzehren wir uns schon lang – jetzt kann man ihnen den endlich vom Leib wegkaufen.

COPENHAGEN, DENMARK - JANUARY 29: Thora Valdimars wearing green pants, gloves, white shirt, red bag and Jeanette Friis Madsen wearing green shirt and jacket, striped knit seen outside Holzweiler during Copenhagen Fashion Week Autumn/Winter 2020 Day 2 on January 29, 2020 in Copenhagen, Denmark. (Photo by Christian Vierig/Getty Images)

Thora Valdimars und Jeanette Friis Madsen.

Getty Images

Warum lässt Rotate derzeit alles rotieren?
Weil es die beiden nicht besser hätten machen können. Vor den Augen ihrer zusammengerechnet etwa 347.000 Follower machen sie selbst die beste Werbung – für sich und ihre Entwürfe. Den beiden schien in ihren prall gefüllten Schränken etwas zu fehlen: Statement Dresses für jede Gelegenheit und Laune, vielseitig kombinierbar und bezahlbar. Genau die designten sie sich dann schlichtweg selbst. Inzwischen sorgen die bunten und glitzernden Knallbonbons mit Puffärmeln, Knopfleisten und Wickeldetails in jedem gut sortierten (Online-)Shop für wässrige Münder. Auf Instagram und TikTok tanzten Jeanette und Thora während des Lockdowns durch ihre Schlafzimmer und vollführten in ihren Babys die virtuosesten Styling-Tricks. Die wissen eben, was sie da tun.
rotatebirgerchristensen.com

Von Style am 04.06.2020
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