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Harry Styles und das Schwelgen der Lämmer

Warum es so schön ist, Harry beim Älterwerden zuzuschauen

Er weint, während er Balladen singt. Er trägt pinken Samt und inszeniert sich mit Tierbabies. Harry is bringing sexy back. Weil männliche Schlagkraft nicht im Bizeps, sondern in einem neuen Selbstverständnis steckt. Oder Harrys vier Nippeln. Alles Gute zum 25. Geburtstag! 

Es war einmal eine Boyband. Die hiess One Direction und hatte qualitativ gesehen erstaunlich wenig choreografierte Tanzeinlagen. Und weil jede Boyband ihren Justin Timberlake hat, krönten Horden an schmachtenden Mädchen auch hier ihren Prinzen: den mit dem vollsten Haar, den niedlichsten Grübchen und verschlafensten Augen. Der Rest der Welt erlag seinem Talent, dieser erstaunlich rauen Stimme. Und den Haaren eben.

Das alles ist nun neun Jahre her und Harry Styles inzwischen frische 25 Jahre alt. One Direction macht Pause und der Brite ein zweites Album. Er hat ein Nummer-1-Soloalbum hinter sich und wie jeder anständige Popstar bereits geschauspielert. In Christopher Nolans Kriegsepos «Dunkirk» liess er sich von Militärflugzeugteilen berieseln.

Sign Of The Times

Während der ganze Film ein einziger, grauer Lärmteppich war, ist Harrys Bild nach aussen doch sonst ein sehr pastelliges. Bei seinen Balladen (wie bei seinem Anblick) wird einem warm und klamm gleichzeitig ums Herz. Während er ein eher zurückgezogenes Privatleben führt, brettern da die Gefühle so richtig raus. Er redet nicht, er singt. Und das rührt ihn manchmal selbst zu Tränen. Die Mode reisst sich mit Leidenschaft um seinen schmalen Körper: Für Gucci trug er einen ganzen Zoo auf dem Arm und Krönchen auf dem Kopf. Rote Teppiche schmückt er in Alessandro Micheles blumigen Anzügen mit Schlaghose und Schluppenblusen. Wirklich viel für seinen Körperbau tut das meist nicht, erhöht aber seine Glaubwürdigkeit als Mann. Ja, wirklich.

Harry Styles für Gucci

Für die Men's Tailoring Cruise Campaign von Gucci posierte Harry Styles mit wahnsinnig süssen Baby-Tieren. Da ist er in guter Gesellschaft.

via Gucci

 

Sweet Creature

Schon Herbert Grönemeyer fragte «Wann ist ein Mann ein Mann?». Die meisten würden darauf wohl nicht «Wenn er rosa Hawaiihemden trägt» antworten. Doch die Styles’sche Inszenierung ist eine aussergewöhnliche und aus gesellschaftlicher Sicht äusserst relevante. So hätte man doch nach dem Ausstieg von One Direction keine solche stereotypische Entmannung in Bildern erwartet: Stets melancholisch, schelmisch, streberhaft ungelenk, fast weiblich, aber nie hart und der so turbulenten Jugend deutlich entwachsen agiert er da. Er ist einfach er selbst.

Ich bin nicht in einer Männerwelt, sondern mit meiner Mutter und Schwester aufgewachsen. In den letzten zwei Jahren bin ich mir um einiges klarer darüber geworden, wer ich bin. Ich finde, es zeugt von sehr viel Männlichkeit, Verwundbarkeit zu zeigen und sich zuzugestehen, feminin zu sein – und damit fühle ich mich sehr wohl. [...] Es ist heute leichter, Maskulinität in vielen verschiedenen Aspekten wahrzunehmen. Ich beobachte ganz klar, dass ich mich – sei es in der Musik, dem Schreiben, Gesprächen mit Freunden und der Offenheit gegenüber anderen – oft am wohlsten fühle, wenn ich mir selbst erlaube, verletzlich zu sein.

so Harry Styles in einem Interview mit Timotheé Chalamet im i:D Magazin. Wie weise. Und revolutionär. Und gesund! Für uns Frauen, die vielschichtige Männlichkeit mehr zu schätzen lernen, als die toxische. Und natürlich für alle Männer, die noch im Achselshirt ihre Bauchmuskeln spielen lassen müssen. Aber hey, auch das darf Mann natürlich im Grunde. Harry hat schliesslich ganz Bad Boy auch Tattoos und trug vor Kurzem noch verwegene lange Haare. Zudem klafft des Öfteren machomässig das Hemd! Aber gleichzeitig reibt er sich dann eben verlegen die Augen, wenn er lacht. Huch, der Autorin wird ganz heiss. Was zur Hölle kommt da noch? Harry Styles hat noch vieles vor sich. #dying

 
Von Linda Leitner am 01.02.2019