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Festhalten: Harry Styles’ neues Album ist da!

Es lohnt sich, Harry mit allen Sinnen zu geniessen

Er weint, während er Balladen singt. Er trägt Nagellack und Perlenkette. Das Schwelgen der Lämmer ist dank Tierbabies sein Verdienst. Harry is bringing sexy back und heute das neue Album «Fine Line» raus. Dank ihm wissen wir, dass männliche Schlagkraft nicht im Bizeps, sondern in einem neuen Selbstverständnis steckt. Oder seinen vier Nippeln.

Instagram/harry_lambert

Hey Harry, wir turnen uns längst durchs neue Album.

Instagram/harry_lambert

Es war einmal eine Boyband. Die hiess One Direction und hatte qualitativ gesehen erstaunlich wenig choreografierte Tanzeinlagen. Und weil jede Boyband ihren Justin Timberlake hat, krönten Horden an schmachtenden Mädchen auch hier ihren Prinzen: den mit dem vollsten Haar, den niedlichsten Grübchen und verschlafensten Augen. Der Rest der Welt erlag seinem Talent, dieser erstaunlich rauen Stimme. Und den Haaren eben.

Das alles ist nun neun Jahre her, Harry Styles ist inzwischen 25 Jahre alt. One Direction hat längst eine Pause eingelegt und der Brite mit «Fine Line» ein zweites Album rausgebracht. Er hat ein Nummer-1-Solodebüt hinter sich und wie jeder anständige Popstar bereits geschauspielert. In Christopher Nolans Kriegsepos «Dunkirk» liess er sich von Militärflugzeugteilen berieseln.

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Während der ganze Film ein einziger, grauer Lärmteppich war, ist Harrys Bild nach aussen doch sonst ein sehr pastelliges. Schickt er seinen Paul-McCartney-inspirierten Old-School-Pop-Rock raus, wird einem (wie bei seinem Anblick) warm und klamm gleichzeitig ums Herz. Während er ein eher zurückgezogenes Privatleben führt, brettern da die Gefühle so richtig raus. Er redet nicht, er singt. Und das rührt ihn manchmal selbst zu Tränen.

Die Mode reisst sich mit Leidenschaft um seinen schmalen Körper: Für Gucci trug er in der Men's Tailoring Cruise Campaign einen ganzen Zoo auf dem Arm und Krönchen auf dem Kopf, neuerdings trägt er deren Duft «Mémoire d’une Odeur» am Körper. Rote Teppiche, TV-Auftritte und Gigs schmückt er nur noch in Alessandro Micheles blumigen Visionen, die neuerdings aus High-Waist-Hosen, übergrossen Anzügen in Softeis-Farben und glitzernden Overalls bestehen. Harry ist derzeit irgendwo zwischen jugendlichem Matrosen, Glamrock-Diva und Pfeife rauchendem Einsiedler zu verorten. Wirklich viel für seinen Körperbau tut das objektiv gesehen meist nicht, erhöht aber seine Glaubwürdigkeit als Mann. Ja, wirklich.

Sweet Creature

Schon Herbert Grönemeyer fragte «Wann ist ein Mann ein Mann?». Die meisten würden darauf wohl nicht «Wenn er Rosa und Rüschen trägt» antworten. Doch die Styles’sche Inszenierung ist eine beispiellose und eine aus gesellschaftlicher Sicht äusserst relevante. So hätte man doch nach dem Ausstieg von One Direction keine solche stereotypische Entmannung in Bildern erwartet: Stets melancholisch, schelmisch, streberhaft ungelenk, weiblich – aber nie hart und der so turbulenten Jugend deutlich entwachsen – agiert er da. Er ist er selbst, der Junge, der vor zehn Jahren noch in einer Bäckerei Brötchen verkaufte.

«Ich bin nicht in einer Männerwelt, sondern mit meiner Mutter und Schwester aufgewachsen. In den letzten zwei Jahren bin ich mir um einiges klarer darüber geworden, wer ich bin. Ich finde, es zeugt von sehr viel Männlichkeit, sich verwundbar zu zeigen und sich zuzugestehen, feminin zu sein – und damit fühle ich mich sehr wohl. [...] Ich beobachte ganz klar, dass ich mich – sei es in der Musik, dem Schreiben, Gesprächen mit Freunden [...] – oft am wohlsten fühle, wenn ich mir selbst erlaube, verletzlich zu sein.»

so Harry Styles in einem Interview mit Timotheé Chalamet im i:D Magazin. Wie weise. Und revolutionär. Und gesund! Für uns Frauen, die vielschichtige Männlichkeit mehr zu schätzen lernen, als die toxische. Und natürlich für alle Männer, die noch im Achselshirt ihre Bauchmuskeln spielen lassen müssen. Aber hey, auch das darf Mann natürlich im Grunde. Harry hat schliesslich ganz Bad Boy auch Tattoos und trug vor Kurzem noch verwegene lange Haare. Zudem klafft des Öfteren machomässig das Hemd offen! Aber gleichzeitig reibt er sich dann eben mit seinen pink lackierten Fingern verlegen die Augen, wenn er lacht. Huch, der Autorin wird ganz heiss. Was zur Hölle kommt da noch? Harry Styles hat noch vieles vor sich. Und die Welt mit ihm. Im Interview mit L'Officiel erklärte er kürzlich:

«Viele Grenzen sind dabei, zu fallen – in der Mode, aber auch in Musik, Film und Kunst. Ich glaube, man sucht nicht mehr nach geschlechtsspezifischen Differenzierungen. Auch wenn das Männliche und Weibliche existiert, sind ihre Grenzen Gegenstand eines Spiels. Wir müssen nicht mehr das eine oder das andere sein. Ich glaube, die Leute versuchen jetzt einfach gut zu sein. In der Mode und in anderen Bereichen sind diese Parameter nicht mehr so ​​streng wie zuvor, so entsteht grosse Freiheit. Es ist stimulierend.»

Apropos stimulierend: Harrys vor Wochen veröffentlichter zweiter Vorgeschmack aufs neue Album, «Watermelon Sugar», führte uns tief ins saftige Reich der süssen Früchte und somit direkt in eine Sinnkrise. Im Gespräch mit Moderator und DJ Zane Lowe wurde leise der Verdacht laut, der Song handle von nichts Geringem als Oralsex. All I want for Christmas ist jetzt ein Obstkorb-Abo. 

Von Harry. Für mehr Harry, einmal durch folgende Galerie rauschen:

Von Linda Leitner am 01.02.2019
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