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Happy Welttag des Orgasmus!

Der G-Punkt und andere Mythen rund ums Kommen

Hot Spots haben wir gern, mit nichts connecten wir uns lieber. Auch der weibliche Körper soll ja einen haben. Sagen Männer. Wer den nicht findet, ist selber schuld. Oder? Zum Jubeltag unseres Lieblings-Feuerwerks widmen wir uns vier weiteren Legenden, die man sich vom weiblichen Orgasmus erzählt.

Gibt es den G-Punkt wirklich?

Wir können unsere Zeit besser verbringen als mit der Suche nach einem ominösen Spot.

Getty Images/Cultura RF

First of all: Es soll da diesen Punkt in unserem Körper geben, der ein ekstatisches Feuerwerk der Sinne auslöst. Eine Eruption der weiblichen Lust. Und der ist … nach einem Mann benannt. Dem Gynäkologen Ernst Gräfenberg nämlich, der ihn entdeckt haben will, den «G-Punkt». Aha.

Da gehts ja schon los. Da kann was nicht stimmen. Anlässlich des offiziellen Welttags des Orgasmus hat das Casual Dating Portal TheCasualLounge seine Userinnen befragt und – unterstützt von Sexualtherapeutin Dania Schiftan – fünf Mythen, die sich um den weiblichen Orgasmus ranken, geprüft. Neugierig? Los gehts!

Mythos I: Kein guter Sex ohne Orgasmus

Faktisch sieht das so aus: Nur ein knappes Drittel der Frauen kann damit prahlen, jedes Mal beim Sex zu kommen. Wer jetzt erleichtert aufatmet: Korrekt, das ist relativ normal. Macht also nichts. Fast 63 Prozent der Befragten bestätigen zudem, dass sie Sex auch ohne richtig gut finden. «Natürlich hängt guter Sex nicht allein vom Orgasmus ab. Auf der anderen Seite bin ich mit der Idee Frauen kommen meist eh nicht und sollen doch einfach geniessen, was sie kennen nicht einverstanden. Denn jede Frau kann einen Orgasmus haben. Und das kann man erlernen und üben», so Schiftan.

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Mythos II: Frauen brauchen ein endlos langes Vorspiel

Der Durchschnitt braucht etwa zwanzig Minuten, um zu kommen. Es gibt aber auch Raketen und es gibt kleine, genussvolle Schnecken. Das ist total ok. Die Sexualtherapeutin erklärt: «Frauen brauchen länger, um warm zu laufen als Männer. Dabei können sie technisch auf ziemlich viele Arten kommen, manche durch Stimulation der Brustwarzen, manche sogar nur durch Gedanken. Am schnellsten geht es aber durch die Macht der Gewohnheit – also so, wie man sich mehrheitlich selbst befriedigt. Wer diese Technik nicht ändern oder ausweiten möchte, muss dem Partner beim Sex erklären, was er machen muss. Ich empfehle, öfter mal etwas Neues auszuprobieren, ob allein oder zu zweit.»

Mythos III: Diese eine Stellung bringt alle um den Verstand

Klar, da hat jede ihre Lieblingsposition. Wer gern Sex hat, weiss, was es braucht, damit man bekommt, was man will. Knapp ein Viertel der Befragten schwört auf die Reiterposition, ein weiteres Viertel auf die gute alte Missionarsstellung. «Es kommt darauf an, welche Reize am ehesten zum Ziel führen. Frauen, die vor allem an Klitoris und Vulva erregbar sind, kommen also wirklich am besten in der Reiter- oder Missionarsstellung, da so am ehesten ihre Klitoris an seinem Schambein reibt. Viele Frauen mögen es aber auch von hinten oder seitlich, da sie ihn so an der G-Fläche spüren und zusätzlich die Hände frei haben, um sich selbst zu berühren», so Schiftan.

Mythos IV: Wir Frauen faken ständig

Hand hoch, wer das noch nie gemacht hat! Bei der Umfrage waren es ganze 89 Prozent. Naja, is ja auch ok. Manchmal hat man keine Lust mehr und/oder möchte niemanden vor den Kopf stossen. Rund 22 Prozent aber täuschen regelmässig vor. Auch Dania Schiftan weiss: «Das ist eine Realität. Aber es ist auch nicht unbedingt nur schlecht. Man darf sich selbst und dem anderen auch mal zumuten, nicht zu kommen. [...] Auf der anderen Seite kann ein gefälschter Orgasmus aber durchaus einen Lerneffekt haben: Man stellt sich den Klimax vor und steigert sich rein und wer weiss, vielleicht klappt es ja sogar wirklich. Fake it until you make it.»

Mythos V: Die endlose Suche nach dem sekundenschnellen G-(Höhe)Punkt

Frage: Wie viele von euch haben ihren G-Punkt schon gefunden? Oder finden lassen? Denn vor allem für den ambitionierten Sexualpartner ist die kleine Schaltfläche, die ohne viel Mühe und Aufwand zum fulminanten Finale führt, natürlich von grösstem Interesse. Und Lagepläne, Wegbeschreibungen und Handbücher gibt es inzwischen wie Sand am Meer. Die Packungsbeilage zum weiblichen Orgasmus. Also alles ganz einfach, oder? Praktisch, schnell unkompliziert. Mensch, klasse.

Blöd nur, wenn dieser ominöse «Knopf» an der vorderen Vaginalwand sich partout nicht lokalisieren lassen will. Da fummelt, fingert und tastet man … aber das Feuerwerk bleibt irgendwie aus. Muss an uns liegen, garantiert stimmt was mit unserem Körper nicht! Mindestens zwei Freundinnen und die Bekannte von der Arbeitskollegin der Schwester haben ihn schliesslich längst entdeckt und sind seither mindblown. Nein, diese Ekstase … Mist.

Gut, gut, vielleicht dürfen wir nicht länger nach dem etwa 1.5 Zentimeter grossen «Knopf» suchen, den Ernst Gräfenberg in den 1950er-Jahren beschrieben hat. Erforschen wir unser Inneres doch lieber nach einer 1×3 Millimeter breiten sackähnlichen Struktur – das rät Dr. Adam Ostrzenski (jap, wieder ein Mann), der 2012 eine(!) Frauenleiche obduzierte und nun aber wirklich den G-Punkt gefunden haben will. Wie, da ist kein Säckchen in eurer Vagina? Was stimmt denn nicht mit euch?

Wir möchten lösen: Mit euch ist alles in Ordnung

Wagen wir mal eine wilde These: Den berühmt-berüchtigten «G-Punkt» gibt es nicht. Jaja, es gibt extra Vibratoren für diesen Hot Spot der Lust, Workshops, die einen durchs finstere Tal aka die Irrungen der Vagina zur Quelle des explosionsartigen Orgasmus-Lichts führen wollen. Sogar Kondome, die mit speziellen Features für präzise Treffsicherheit garantieren – und natürlich diejenigen, die ihn längst gefunden und schon unzählige Mal stimuliert haben. 

Aber es ist doch so: Was dich zum Höhepunkt katapultiert, kann sich für mich wie unangenehmes Geschrabbel anfühlen. Was mich meinen Körper verlassen und auf Lust-Wolke 7 schweben lässt, kann bei dir nicht mehr als ein unbeeindrucktes Gähnen auslösen. Jede Vagina tickt und fühlt eben anders, sieht anders aus und hat ihre ganz eigenen brodelnden Geysire, die nur darauf warten, zum Ausbruch gebracht zu werden. Wo die liegen? Das weiss keine Packungsbeilage. Die muss man in hingebungsvoller Kleinstarbeit suchen, finden und dann mit Liebe und Zuneigung überschütten. Das Feuerwerk kann vorne links, oben rechts, gaaanz weit hinten, überall oder hauptsächlich an der Klitoris lauern. Oder eben zufällig an der oberen, vorderen Scheidenwand.
Entscheidend ist: Ihr habt Spass und verspürt Lust, kennt euren eigenen Körper und sucht nicht ein Leben lang nach einem (von Männern erfundenen) Mythos, der bis heute nicht wissenschaftlich belegt werden konnte. 

Kurzer Exkurs zurück zur Umfrage: Auch hier gab über die Hälfte der Frauen an, am optimalsten durch die Stimulation der Klitoris zu kommen. Daniela Schiftan weiss: «Die Klitoris ist grösser, als wir gemeinhin denken. Sie sieht aus wie ein Schmetterling, welcher um den Vagina-Eingang herum geht. Wenn die Vagina-Wand stimuliert wird, wird also auch automatisch die Klitoris stimuliert. Einen vaginalen Orgasmus ohne Einbezug der Klitoris gibt es nicht.»

Die Sache mit dem G-Punkt erklärt sie folgendermassen: «Er ist kein Punkt, sondern eine Fläche in der Grösse eines Zwei- bis Fünffrankenstücks. Viele Frauen erfahren ein umfänglicheres Gefühl von Loslassen, wenn der Orgasmus durch Druck auf die G-Fläche ausgelöst wird.» Sie räumt aber ein: «Das kann aber auch daran liegen, dass eine Frau, die diese Erfahrung macht, bereits bemüht war, ihre Vagina sprichwörtlich von allen Seiten zu entdecken und sie dementsprechend gut kennt.»

Viele Frauen also. Nicht alle. Das kann funktionieren. Muss aber nicht. Wir schwören, da fällt euch ein sackähnlicher Stein vom Herzen. Deal? Gut.

Von sll am 21.12.2020
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