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Stoppt die Suche

Lasst uns über den G-Punkt sprechen, bitte

Hot Spots haben wir gern, mit nichts connecten wir uns lieber. Auch der weibliche Körper soll ja einen haben. Sagen Männer. Wer den nicht findet, ist selber schuld. Oder?

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Wir können unsere Zeit besser verbringen als mit der Suche nach einem ominösen Spot.

Getty Images/Cultura RF

First of all: Es soll da diesen Punkt in unserem Körper geben, der ein ekstatisches Feuerwerk der Sinne auslöst. Eine Eruption der weiblichen Lust. Und der ist … nach einem Mann benannt. Dem Gynäkologen Ernst Gräfenberg nämlich, der ihn entdeckt haben will, den «G-Punkt». Aha.

Die endlose Suche nach dem sekundenschnellen Höhepunkt

Frage: Wie viele von euch haben ihren G-Punkt schon gefunden? Oder finden lassen? Denn vor allem für den ambitionierten Sexualpartner ist die kleine Schaltfläche, die ohne viel Mühe und Aufwand zum fulminanten Finale führt, natürlich von grösstem Interesse. Und Lagepläne, Wegbeschreibungen und Handbücher gibt es inzwischen ja wie Sand am Meer. Die Packungsbeilage zum weiblichen Orgasmus. Also alles ganz einfach, oder? Praktisch, schnell unkompliziert. Mensch, klasse.

Blöd nur, wenn dieser ominöse «Knopf» an der vorderen Vaginalwand sich partout nicht lokalisieren lassen will. Da fummelt, fingert und tastet man … aber das Feuerwerk bleibt irgendwie aus. Muss an uns liegen, garantiert stimmt was mit unserem Körper nicht! Mindestens zwei Freundinnen und die Bekannte von der Arbeitskollegin der Schwester haben ihn schliesslich längst entdeckt und sind seither mindblown. Nein, diese Ekstase … Mist.

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Gut, gut, vielleicht dürfen wir nicht länger nach dem etwa 1.5 Zentimeter grossen «Knopf» suchen, den Ernst Gräfenberg in den 1950er-Jahren beschrieben hat. Erforschen wir unser Inneres doch lieber nach einer 1×3 Millimeter breiten sackähnlichen Struktur – das rät Dr. Adam Ostrzenski (jap, wieder ein Mann), der 2012 eine(!) Frauenleiche obduzierte und nun aber wirklich den G-Punkt gefunden haben will. Wie, da ist kein Säckchen in eurer Vagina? Was stimmt denn nicht mit euch?

Wir möchten lösen: Mit euch ist alles in Ordnung

Wagen wir mal eine wilde These: Den berühmt-berüchtigten «G-Punkt» gibt es nicht.

Jaja, es gibt extra Vibratoren für diesen Hot Spot der Lust, Workshops, die einen durchs finstere Tal aka die Irrungen der Vagina zur Quelle des explosionsartigen Orgasmus-Lichts führen wollen. Sogar Kondome, die mit speziellen Features für präzise Treffsicherheit garantieren – und natürlich diejenigen, die ihn längst gefunden und schon unzählige Mal stimuliert haben. 

Aber es ist doch so: Was dich zum Höhepunkt katapultiert, kann sich für mich wie unangenehmes Geschrabbel anfühlen. Was mich meinen Körper verlassen und auf Lust-Wolke 7 schweben lässt, kann bei dir nicht mehr als ein unbeeindrucktes Gähnen auslösen. Jede Vagina tickt und fühlt eben anders, sieht anders aus und hat ihre ganz eigenen brodelnden Geysire, die nur darauf warten, zum Ausbruch gebracht zu werden. Wo die liegen? Das weiss keine Packungsbeilage. Die muss man in hingebungsvoller Kleinstarbeit suchen, finden und dann mit Liebe und Zuneigung überschütten. Das Feuerwerk kann vorne links, oben rechts, gaaanz weit hinten, überall oder hauptsächlich an der Klitoris lauern. Oder eben zufällig an der oberen, vorderen Scheidenwand.
Entscheidend ist: Ihr habt Spass und verspürt Lust, kennt euren eigenen Körper und sucht nicht ein Leben lang nach einem (von Männern erfundenen) Mythos, der bis heute nicht wissenschaftlich belegt werden konnte.

Wir schwören, da fällt euch ein sackähnlicher Stein vom Herzen. Deal? Gut.

am 06.05.2020
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