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Genuss oder Sucht?

So hat sich unser Alkoholkonsum seit Corona verändert

Seit ein paar Wochen haben die meisten Kneipen und Clubs geschlossen. Der letzte Ausgang? Ewigkeiten her! Hat unser Alkoholkonsum also ebenfalls abgenommen oder trinken wir jetzt einfach anderswo? Vielleicht sogar mehr? Wir klären auf.

Wein

Sogenanntes Rauschtrinken ist seit Corona stark zurückgegangen. Die Krise könnte sich aber durchaus auch negativ auf unser Trinkverhalten auswirken.

Getty Images

Im Sommer ein Feierabendbier in der Badi, eine gute Flasche Wein zum Essen oder ein Cocktail in der Lieblingsbar. Das gönnen wir uns gut und gerne. Alkohol ist für viele ein Genuss und gehört nach getaner Arbeit oder am Wochenende einfach dazu. Rund acht Liter reinen Alkohol trinkt der Durchschnittsschweizer jährlich. Konkret sind das ca. 55 Liter Bier, 34 Liter Wein und knapp 4 Liter Spirituosen pro Kopf. Ne ganze Menge. Dann kam Corona. In den Kneipen wird nun kein Bier mehr ausgeschenkt, in den Clubs hat es sich seit einigen Monaten ausgefeiert. Kann man also davon ausgehen, dass sich auch unser Alkoholkonsum reduziert hat? Oder hat sich dieser einfach in die eigenen vier Wände verlagert?

Rauschtrinken hat stark abgenommen

Noch gibt es keine konkreten Studien zum Alkoholkonsum während der Coronakrise. Gemäss der Organisation Sucht Schweiz zeichnen sich aber ein paar Veränderungen ab.

Grundsätzlich lässt sich der Alkoholkonsum in zwei Arten einteilen: Den durchschnittlichen Konsum und das sogenannte Rauschtrinken. Gerade bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen beschränkt sich der Alkoholkonsum eher auf das Wochenende und ist meist an Veranstaltungen oder Partys gebunden. Dafür wird dann häufiger ordentlich über die Stränge geschlagen. Der Konsum ist also seltener, dafür in der Menge umso höher. Neben Partys, Konzerten oder sonstigen Veranstaltungen findet Rauschtrinken oftmals auf öffentlichen Plätzen und in Parks statt. Dies liegt daran, dass gerade jüngere Menschen oft noch nicht so viel Geld haben und die Preise für Alkohol in Bars relativ teuer sind. Deshalb neigt diese Altersgruppe auch viel mehr zu Spontankäufen an Tankstellen oder Kiosken, bevor es ans sogenannte «Vorglühen» geht. Doch mit dem Verbot von Ansammlungen grösserer Gruppen gibt es immerhin in Hinsicht auf den Alkoholkonsum eine gute Nachricht aus besagter Altersgruppe. Denn laut Sucht Schweiz wurden im Kanton Waadt durch das Verbot des Kaufs von Bier und Spirituosen nach 21 Uhr die Hospitalisierungen wegen Alkohol bei jungen Menschen praktisch halbiert.

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Mit zunehmendem Alter nimmt das Rauschtrinken deutlich ab. Dafür wird das Trinken deutlich regelmässiger – eben dann, wenn wir uns beispielsweise nach der Arbeit ein Glas Wein gönnen oder im Sommer mit einem Bier am See sitzen. Aber auch die Konsumation in den eigenen vier Wänden ist bei der älteren Altersgruppe deutlich höher. Dies zeigte auch die Coronakrise: Die Schliessung von Bars und Clubs führte in vielen europäischen Ländern zu einem auffallend höheren Verkauf von Alkohol an den Privatgebrauch. Allerdings sagen solche Zahlen wenig darüber aus, ob es sich dabei um Hamsterkäufe handelt, die das private Lager füllen, oder ob der Konsum von Schweizerinnen und Schweizern effektiv zugenommen hat.

Die Organisation Sucht Schweiz erwartet dennoch, dass insbesondere der risikoreiche Alkoholkonsum bei bereits vorher regelmässig Konsumierenden steigen könnte. Dies weil durch das Home Office oder gar die Arbeitslosigkeit der Alltag weniger strukturiert ist und die soziale Kontrolle wegfällt. Bei den moderat Konsumierenden, also der Mehrheit der Bevölkerung, könnte der Konsum kurzfristig aufgrund reduzierter Sozialkontakte aber sogar sinken. Zurückgehen könnte der Konsum auch aufgrund schlechter ökonomischer Bedingungen.

Noch ist das alles aber reine Spekulation. Personen, die einen deutlich erhöhten Konsum aufweisen (ein risikoreicher Alkoholkonsum beginnt gemäss BAG bereits ab einem Glas Alkohol pro Tag), sollten sich bei einer Suchtberatung informieren lassen.

Von Nadine Schrick am 19.12.2020
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