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Es ist gut zu wissen, was Madonnas Brüste können

Madonna wärmt für ihre «Madame X»-Tour die Stimme auf – ganz rhythmisch auf Instagram – mit vibrierenden Brüsten. Wen soll das noch schocken? Niemanden hoffentlich. Der Busen der 61-Jährigen hat diesbezüglich wie blöd Vorarbeit geleistet und ist inzwischen historisch äusserst relevant.

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Madonna während ihrer «Blonde Ambition»-Tour in Rotterdam im Cone Bra von Jean Paul Gaultier: Der war spitz. So auch der Aufschrei der Gesellschaft.

Redferns

«Die Leute sagen, ich sei umstritten», verkündete Madonna 2016 ihrem Publikum. «Aber ich glaube, das Umstrittenste, was ich je getan habe, ist, dass ich immer noch da bin.» Dabei geht es in erster Linie nicht nur um Madonna als Künstlerin selbst, es geht um ihren Körper, der gegen das Altern ebenso verzweifelt ankämpft wie gegen Sexismus. Und das tut Madonna nun schon seit rund 40 Jahren.

Gerade ist sie wieder auf Tour. Und klar, sie ist nicht allein. Neben einer riesigen Bühne, Tänzern, Assistenten, Stylisten und ihrer Familie hat sie auch das immer dabei, was bei Heidi Klum Hans und Franz sind:

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Ob es sich bei ihr um Joe und Jonas oder Kim und Kanye handelt, wissen wir nicht, ihre Brüste sind uns aber mehr als vertraut.

Als verführerischer Rammbock der Popkultur war ihre Karriere schon immer an ein stark erotisiertes Erscheinungsbild gekittet. Ihre Stimme war nie subtil, sie wollte mit dem Kopf, oder eher dem Körper, durch die Wand: Madonna küsste Ende der Achtziger im Musikvideo zu «Like A Prayer» einem schwarzen Jesus die Füsse und machte in «Like A Virgin« das Hochzeitskleid im prüden Amerika zum sexualisierten Statement.

Ziemlich viel «like» stand am Anfang ihrer Karriere. Und zwar nicht im Sinne von «Gefällt mir», sondern bis zum jetzigen Zeitpunkt im Rahmen unzähliger Imagewechsel. Egal ob als Punk, Braut, ganz nackt in ihrem Coffee Table Book «Sex» aus dem Jahre 1992, als Cowboy, Yogi oder Mother of Disco: Die Brüste waren immer da – als Zeichen weiblicher Selbstbestimmung.

Aber mit über 60 muss man die Brüste nicht mehr rausholen, lamentieren viele bei Madonnas medizinisch überholtem Anblick. Ja muss man denn 2019 auf Instagram noch Nippel zensieren?

Eine Brust kann mehr als nur Milch geben

2012 entlarvte die Musikerin in Istanbul nicht nur ihre Brustwarze, sondern auch die Doppelmoral, an der unsere Zeit so oft krankt: Auf ihrer «MDNA»-Welttournee lüpfte Madonna den BH, ein Nippel quoll hervor, man war angeekelt. Die Sache mit dem Ekel ist etwas heuchlerisch in Anbetracht der Tatsache, dass türkische Frauen zu diesem Zeitpunkt seit Wochen gegen Pläne demonstrierten, die Abtreibungen verbieten lassen sollten. Auf dem Rücken trug Madonna den Schriftzug «No Fear».

Kaum jemand hat einen so wichtigen Busen

Man soll also gebären wie blöd, ob man will oder nicht, aber die Brustwarze als elementares Werkzeug zum Grossziehen von Kindern soll optisch gelöscht werden. Madonna liess die Sache so stehen, äusserte sich nie. Warum auch?

Wer sexuelle Befreiung nicht verstehen will, der soll wegschauen. Wer weibliche Selbstbestimmung an ein bestimmtes Alter koppeln will auch. Sexismus und Altersrassismus haben bei Madonnas Brüsten nichts zu suchen. Was Mode, Self Empowerment, Innovation und Identität betrifft, kann ihnen niemand das Wasser reichen.

Und wenn Madonna sie jetzt schüttelt und wir nur müde lächeln, dann ist alles im Lot. Dann haben wir verstanden, wofür sie immer gekämpft hat. Auch wenn sie nicht mehr brandfrisch und nicht ganz echt sind – sie sehen grossartig aus.

 Seht selbst – ein Rückblick:

Von Linda Leitner am 11.11.2019
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