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  4. Kate Middleton, Gigi und Bella Hadid: Modisch oder zu dünn?

Spoiler: Wir bashen niemanden

Sind diese Frauen stylish – oder einfach nur dünn?

Wenn sie was tragen, wird es Trend. Sie sind Gigi und Bella Hadid. Oder auch Kate Middleton. Die Duchess. «Das Kleid sieht schön aus», sagen wir zum Beispiel. «Aber … würde es das auch in einer Grösse 44?». Und: Sind die Frauen wirklich immer gut angezogen – oder einfach dünn? Ein open Thread.

LONDON, ENGLAND - SEPTEMBER 22: Catherine, Duchess of Cambridge hears from families and key organisations about the ways in which peer support can help boost parent wellbeing while spending the day learning about the importance of parent-powered initiatives, in Battersea Park on September 22, 2020 in London, England. (Photo by Jack Hill - WPA Pool/Getty Images)

Kate Middleton: Stilikone, weil oder obwohl sie so dünn ist? Was denn nun?

Getty Images

Was wäre, wenn. Ja, was wäre denn, wenn? Was wäre, wenn Kate Middleton keine Grösse 34 hätte. Würden ihre Kleider immer noch so hübsch an ihr aussehen? Hätten Models wie Gigi und Bella Hadid bei ihren Street-Style-Auftritten immer noch so viel Erfolg, wenn sie dicker wären? Ich habe mal gelesen, «Immer wenn in einem Artikel das Wort 'hätte' steht, stirbt irgendwo ein seriöser Journalist oder eine seriöse Journalistin.» In Sorge um meine körperliche Unversehrtheit möchte ich darum schon mal Folgendes vorwegnehmen: Wie ihr ein Kleid an einem Model oder Kate Middleton fändet, wenn die alle fülliger wären, werde ich euch nicht sagen können. Aber wir können darüber sprechen, warum wir denken, dass sie gut aussehen, eben weil sie genauso aussehen. Leggo! Laura und ich (Rahel) machen den Anfang:

Laura: Gigi Hadid. Bella Hadid. Kendall Jenner. Die sind Models. Die müssen von Berufswegen her dünn sein. Das allein ist gesellschaftlich schon falsch, klar. Aber die sind ja nicht für ihren Street Style bekannt geworden. Sondern, weil sie Models sind. Ergo dünn. Ergo sind sie auch auf der Strasse dünn. 

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Rahel: Die dünne Frau. Eigentlich wurde während der Body-Positivity-Bewegung ja mal beschlossen, dass die der Feind ist. Die ist out. (Über)gewicht ist in. Trotzdem. Noch immer schicken Designer ätherische Nymphen über den Laufsteg. Das Argument: Kleider lassen sich eben nur an richtig dünnen Frauen richtig gut präsentieren.

Laura: Warum eigentlich? Ich zum Beispiel finde an mir viele Kleider nicht schön, weil sie da einfach nur hängen. Es gibt Tage, da würde ich mein letztes, traurig baumelndes Slipdress für ein paar mehr Kurven geben. Wie Bella Hadid möchte ich dagegen um nichts auf der Welt aussehen, aber das ist Geschmackssache.  
Jedenfalls … Für mich ist eine Frau nicht gleich gut angezogen, nur weil sie dünn ist. Andersrum nicht jede dünne Frau der Feind. Bis wann zählt man überhaupt als dünn und was kommt danach? Dick? Zu dick? Wann ist man «normal»? Diese Kategorisierung geht mir auf den Sack.  
Models sind dünn, ja. Die verdienen aber auch ihr Geld damit, dürfen nix essen, was Spass macht, und treiben so viel Sport, dass ich schon bei der blossen Vorstellung daran eine Muskelzerrung bekomme. Ist das ein erstrebenswertes Jobprofil? Nein. Ist das ihre Schuld? Nein. Don’t hate the Player, hate the Game. Aka unsere Gesellschaft. 
Kate Middleton war schon immer schlank. Jetzt hat die Frau drei Kinder, ein Land zu repräsentieren und ‘ne garantiert nicht ganz einfache Verwandtschaft. Get over it. 

Rahel: In unserem Bewertungssystem läuft nun mal etwas Grundlegendes schief. Wenn wir das Gefühl haben, dass das Kleid an Kate schön aussieht, weil sie ganz dünn ist, liegt das Problem eben daran, wie schön definiert wird. Thema: Schönheitsideal. So eins entsteht, indem alle Unterschiede eliminiert werden. Man unterwirft sich also Diäten. Man folgt Kosmetiktrends. Älter zu werden ist noch schlimmer. Das klingt jetzt wahnsinnig passiv. Irgendwer definiert das und wir armen Konsumenten und Konsumentinnen können gar nicht anders als dem zu folgen, weil wir nur noch das eine Ideal vorgesetzt bekommen und uns so daran gewöhnt haben, dass alles Andere komisch aussieht. So einfach kommen wir natürlich nicht davon. Wir sollten die Bilder, die wir im Kopf haben, immer wieder auch selbst hinterfragen. Denn: 
Solche Ideale, nach denen wir streben, die wird es immer geben. Es liegt in der Natur des Menschen, dass wir versuchen, Dinge zu ordnen. In Schubladen füllen. Super wäre es, wenn es aber mehrere Ideale gäbe. Diverse. Nicht nur Bella-Hadid-dünn. Aber eben auch. Weil selbst Dünne – crazy thought – haben eine Daseinsberechtigung. Und genauso Echt-seltene-weil-nahezu-unrealistische-Kim-Kardashian-Sanduhrfiguren. Wir brauchen mehr.  

Laura: Das Label PrettyLittleThing zeigte an der New York Fashion Week letzten September die gleichen Designs an Models mit unterschiedlichen Konfektionsgrössen. (Die nicht dünne?) Influencerin Katie Sturino stylt die Looks von (dünnen?) Celebrities wie Kate, Meghan und Taylor Swift an sich selber nach. Wer da jetzt jeweils besser abschneidet? Kommt ganz auf den Look an. Nicht auf die Form des Körpers, der dadrunter das Textil hält. Aber das ist ein Anfang, das ist «das Mehr», das wir brauchen. Und vielleicht, wenn wir endlich mehr davon sehen, können wir endlich aufhören, uns über dick und dünn, zu dick und zu dünn zu unterhalten und ohne jegliche Wertung zur Kenntnis nehmen, dass Kate Middleton ein Kleid trägt, das wir schön finden.

Und eure Meinung? 

Von zin am 23.09.2020
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