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Eine Stange, bitte!

Wie Jennifer Lopez uns Lust auf Pole Fitness macht

In ihrem neuen Kinofilm «Hustlers» schwingt Jennifer Lopez ihren famosen Körper von Berufswegen um eine Strip-Stange. Obszön, finden die einen, krass gutes Workout, finden wir. Und haben uns das von unserer Praktikantin bestätigen lassen. Die trainiert nämlich schon längst in der Vertikalen.

Pole

Versext und plump? Ganz im Gegenteil, Polefitness ist ein richtig gutes Ganzkörper-Workout, wie unsere Praktikantin Jana zeigt. Die hängt hier ganz casual vor netter Kulisse rum.

Instagram/greypeony

Schwindelerregende Plateausohlen, nackte, klebrige Haut, flatternde Geldscheine, lechzende Blicke …

Wer an Poledancing denkt, hat meist ganz klare Assoziationen im Kopf. Irgendwie hat der Tanz an der Stange etwas Verruchtes, Dreckiges, kennen wir ihn schliesslich hauptsächlich aus Stripclubs (in Filmen, klar). Ab dem 16. Oktober werden diese Fantasien noch mal so richtig angefeuert. Dann nämlich schwingen sich Jennifer Lopez, Constance Wu und Lili Reinhart in «Hustlers» über sämtliche Kinoleinwände, rekeln sich um ihr Arbeitsgerät, nehmen Männer aus, werden reich. Ihr versteht den Plot.

Die Story mag wenig originell klingen, die Stangen hingegen gehen uns seit einiger Zeit nicht mehr aus dem Kopf. Wie es der Zufall so will, haben wir nämlich eine unter uns, die auch professionell an selbiger turnt. Allerdings aus sportlichen Gründen. Style Weekly Praktikantin Jana Rutarux liebt und unterrichtet Polefitness – und ist sowas von gestählt! Wir haben schon gedoodlet, wann wir mal zu einer Probestunde kommen dürfen.

«Seit knapp sechs Jahren betreibe ich nun schon Polefitness. Zuerst als Hobby, inzwischen unterrichte ich bei Loft1 Frauen jeder Altersklasse Fitness und Tanz an der Stange. Dass der Trend sich seit einigen Jahren hartnäckig hält, ist kein Wunder: Das Workout widmet sich dem Muskel- und Kraftaufbau, dem Körpergefühl, der Beweglichkeit. Dabei ersetzt die Stange ein ganzes Fitnessstudio. Für mich ausserdem ein besonderes Plus: Das Training stärkt auf lange Sicht das Selbstbewusstsein, fördert die Akzeptanz des eigenen Körpers und man lernt, sein eigenes Gewicht anzuheben. Der Sport ist also weit mehr als laszive Erotik und füdlischüttelndes Herumtänzeln, nämlich in erster Linie knallhartes Training, Angstüberwindung in luftiger Höhe, und viele, viele, ja viele, blaue Flecken.»

«Zum Stangentanz gehört aber leider auch die Auseinandersetzung mit Diskriminierung. Manche Frauen müssen ihr Workout an ihrem Arbeitsplatz geheim halten oder sich deswegen ständig dumme Sprüche anhören. Das gehört zum Alltag. Auch ich überlege mir strategisch, wo und wann ich mit meinem Nebenjöbli rausrücke. Ein gutes Beispiel ist mein Lebenslauf …  Heikel, obwohl es ein Engagement ist wie das einer Turn- oder Tanzlehrerin. Wir wärmen intensiv auf, wir üben einzelne Figuren, tanzen eine Choreographie und dehnen aus. Ja, und das Ganze nunmal mit einem etwas eigentümlichen, sexualisierten Hilfsmittel und in relativ knapper Bekleidung – die übrigens notwendig ist, um nicht abzurutschen.»

«Die Gemeinsamkeiten von Polefitness (vom Dachverband der Welt-Sportverbände (GAISF) als Sportart immerhin provisorisch anerkannt und bald vielleicht sogar als olympische Disziplin vertreten) mit der rhythmischen Gymnastik oder mit Kunstturnen sind nicht zu übersehen. Stangensport ist eben nicht nur das, was man sich bei der ersten Runde Kopfkino darunter vorstellt. Es gibt verschiedene Disziplinen. Beim Polefitness trainiert man barfuss, konzentriert sich auf kräftigende Elemente und übt Figuren ein paar Meter in der Luft. Poledance oder auch Exotic Pole wird in Heels praktiziert und kombiniert fliessende Bewegungen in Bodennähe. Natürlich gibt es auch Mischformen. Das macht das Ganze so besonders interessant. Erfunden haben das Stangenturnen übrigens Männer und erste Formen gibt es schon seit dem 12. Jahrhundert!»

«Für mich ist das facettenreiche Polefitness nicht nur Workout, sondern auch eine faszinierende Kunstform. Jaja, der moderne Stangen-Sport von heute hat seine Wurzeln in der Stripperszene … Aber gerade deshalb ist der Respekt aus der Gemeinschaft für unsere Stripper-Schwestern da – kein Grund, gleich eine Feminismusdebatte loszutreten. Im Wissen darum, wie anspruchsvoll der akrobatische Sport ist, und mit welchen Herausforderungen er sich auch 2019 noch konfrontiert sieht, bin ich stolz, dazuzugehören. Ich bin Teil einer hauptsächlich weiblichen Community, die weltweit sich gegenseitig, aber auch die LGBTQ+ Gemeinschaft unterstützt. Wenn ich eins weiss, dann das: PoletänzerInnen sind wirklich stark!»

Danke, Jana ♡

Von Laura Scholz am 4. September 2019