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Infektion aus China

Das müsst ihr über das Coronavirus wissen

Seit Beginn des Jahres wütet in China ein bisher unbekanntes Virus – jetzt breitet es sich auch ausserhalb Asiens aus. Brauchen wir in der Schweiz bald Atemschutzmasken? Wir haben Prof. Dr. Ronald Dijkman und Prof. Dr. Andreas Widmer unsere brennendsten Fragen zum Coronavirus gestellt.

Was zur Hölle ist das Coronavirus aus China?

Das Coronavirus breitet sich aus: Infektionen konnten schon in mehreren Ländern nachgewiesen werden.

Getty Images

2020 ist noch keinen vollen Monat alt, aber die Ereignisse überschlagen sich bereits: Australien versinkt in Buschbränden, die Royals sind teilweise keine Royals mehr und Trump hält am WEF eine Wahlkampfrede. Als wäre das nicht mehr als genug, breitet sich nun auch noch ein gefährliches Virus aus.

Anfang Januar hatte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) bekanntgegeben, dass in der chinesischen 11-Millionen-Metropole Wuhan eine mysteriöse Lungenerkrankung im Umlauf ist. Mitte des Monats wurde schliesslich bestätigt, dass es sich um ein neuartiges Coronavirus handelt. 

Das Virus verbreitet sich international

Auch, wenn der Name dazu einlädt, mit dem Virus aus China ist leider nicht zu spassen: Es hat mittlerweile schon 17 Menschen das Leben gekostet (Stand 23.01.20). Ausserdem breitet sich die Krankheit nicht mehr nur in chinesischen Provinzen aus: Auch in Taiwan, Südkorea, Thailand, Japan und den USA wurde sie inzwischen diagnostiziert. Offiziell bestätigt sind mittlerweile schon über 500 Erkrankte (Stand 23.01.20).

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Der einzige gemeinsame Anhaltspunkt: Alle Infizierten waren aus Wuhan eingereist oder leben in der Nähe der Stadt. Der ursprüngliche Auslöser der Krankheit ist also höchstwahrscheinlich (irgendwo) in Wuhan zu finden. Aber wie konnte sich das Virus so ausbreiten? Haben wir in der Schweiz etwas zu befürchten? Wir haben mit Ronald Dijkman, Professor am Institut für Infektionskrankheiten der Universität Bern, und Andreas Widmer, dem stellvertretenden Chefarzt Infektiologie & Spitalhygiene am Universitätsspital Basel, gesprochen und uns Antworten geholt.

Das neu entdeckte Virus gehört zur gleichen Familie wie der gefährliche SARS-Erreger von 2003. Gibt es Grund zur Sorge?

Die Ausbreitung der SARS-Viren kosteten 2003 knapp 1'000 Menschen weltweit das Leben. Andreas Widmer sagt aber: «Da neu entdeckte Virus unterscheidet sich genetisch vom damaligen Erreger.» Ob das heutige Coronavirus weniger oder genauso gefährlich ist, sei aber noch unklar. Ronald Dijkman betont jedoch, dass die bisherigen Todesfälle grösstenteils nicht ausschliesslich auf das Virus zurückzuführen sind. «Die betroffenen Personen hatten neben dem Virus auch andere Krankheiten und daher ein geschwächtes Immunsystem.» 

Wie kann man infiziert werden?

Momentan sei noch nicht gewiss, wie genau das Virus übertragen wird. Die SARS-Erreger waren vom Tier auf den Menschen übertragen worden und haben sich dann ausgeweitet. Ähnliches wird auch beim neuen Virus vermutet. «Allerdings handelt es sich wahrscheinlich um eine Infektion, die auch über menschliche Atemwege weitergeleitet wird», meint Dijkman. Das Problem daran? Laut Widmer ist unklar, ob es sich um eine Tröpfcheninfektion handelt, bei der die Viren im Speichel weitergegeben werden. Möglich ist nämlich auch eine Übertragung über weite Strecken in der Luft. «Die englischen Behörden empfehlen deshalb teure, aber effektive Atemschutzmasken.»

Welche Symptome treten auf, wenn man sich mit dem Virus infiziert?

Laut Dijkman seien die Patienten von starkem Husten, Schnupfen und Fieber betroffen. «Es gibt einen grippalen Infekt, der zu Lungenentzündungen führen kann», erklärt Andreas Widmer. Dabei können schwere Entzündungen und Epidemien ausgelöst werden.

Gibt es schon Medikamente oder sonstige Hilfsmittel?

Leider nicht. «Es gibt keine wirksamen, geprüften Medikamente anders als bei der Influenza», sagt Widmer. Allerdings seien laut Dijkman schon 2003 erste Impfstoffe und Medikamente gegen Coronaviren getestet worden, aber: «Sie sind noch nicht auf dem Markt und bisher weiss man über den aktuellen Virus zu wenig, um sie zu testen.»

Müssen wir uns in der Schweiz vor dem Virus fürchten?

«Es landen täglich Flugzeuge aus China in Zürich. Das Risiko in der Schweiz ist zwar klein, aber was 2003 passiert ist, darf sich nicht wiederholen.», warnt Andreas Widmer. Panik schieben müssen wir laut Dijkman aber nicht. Es komme darauf an, wie schnell und weit sich das Virus jetzt noch ausbreiten wird. «Das einzuschätzen ist schwierig, aber wir hoffen, dass die WHO auf neue Erkenntnisse stossen wird.»

Die WHO hält in Genf aktuell eine Krisensitzung, in der alle bislang gesammelten Daten ausgetauscht werden. Es wird unter anderem diskutiert, ob wie bei der Verbreitung der Ebola-Erkrankung, der weltweite Gesundheitsnotstand ausgerufen werden soll.

Was passiert bei einer weltweiten Ausbreitung?

«Die Konsequenzen bei einer grossen Ausbreitung können schwerwiegend sein, sowohl für Patienten, als auch für die Wirtschaft», sagt Andreas Widmer. Der Grund? Im weltweiten Gesundheitsnotstand werden Flughäfen gesperrt. Nordkorea ist da sogar schon einen Schritt voraus: Sie lassen keine Touristen mehr ins Land einreisen. Auch chinesische Flughäfen haben schon Massnahmen eingeführt: «Es werden Screenings mittels Wärmebildkamera durchgeführt. Dabei wird kontrolliert, ob ein Passagier Fieber hat und anschliessend besprochen, welche Orte er zuletzt bereist hat», erklärt Dijkman.

Sind wir vielleicht schon infiziert?

In der Schweiz sind bisher keine Fälle bekannt. Andreas Widmer empfiehlt: «Wenn man in den letzten zwei Wochen in Wuhan war und sich krank fühlt, sollte man einen Arzt aufsuchen.» Laut heutigem Stand schränkt die WHO das Gebiet in China ein, es könnten allerdings weitere Epidemiegebiete folgen. Ansonsten sei das Ansteckungsrisiko zum aktuellen Zeitpunkt in der Schweiz gering. 

Von Lara Zehnder am 23.01.2020
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