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#BettinaRennt

Erster Marathon: Lasst das Leiden beginnen!

Nach einem knappen Jahr jöggelen, habe ich mich für meinen ersten Marathon angemeldet. Es kann sein, dass ich nicht mehr alle Tassen im Schrank habe.

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Irgendwo in dieser Menge wird Bettina verschwinden. Sie hofft zumindest, dass sie es am 1. November 2020 an die Startlinie des TCS New York City Marathons schafft. Sie findet es übrigens auch seltsam, von sich in der dritten Person zu schreiben.

Getty Images

Wir müssen dringend über «Challenges» sprechen. Über meine, mit Verlaub. In etwa 8 Monaten werde ich in New York meinen allerersten Marathon laufen (ein Glück, ist das Wort «laufen» auf Schweizerdeutsch zweideutig). Meine Familie denkt, ich sei übergeschnappt. Ich kann es ihnen nicht übel nehmen. Sie kennen mich nicht als natürlich motivierte «ich war halt schon immer voll sportlich»-Person. Auch nach einem knappen Jahr als Joggerin muss ich mich fast jedes Mal dazu überwinden, die Schuhe anzuschnallen. Vor allem bei unpässlichem Wetter (ich funktioniere generell besser bei warmen Temperaturen und Sonnenschein).  

Die dank des #StyleMuscleHustles mühsam antrainierte Fitness, eruptierte quasi am Greifenseelauf 2019. Ich habe den Halbmarathon überstanden – und hatte sogar Spass dabei (hat mich auch überrascht). Das Dilemma danach? Aufhören – oder schnell ein neues Ziel finden (wie bereits erwähnt, ich bin NICHT natürlich sportlich). Das Schicksal nahm alsdann seinen Lauf (Lauf, dah). Und im Dezember 2019 habe ich mich für den New York Marathon 2020 angemeldet. Womit wir wieder bei den «Challenges» wären. Ich habe leider viele – und werde sie ALLE in den nächsten Monaten bereinigen müssen:  

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Das ist nun «SIE». Hier hat sich die Marathon-Training-Testperson (kurz: MTT) zu einem Jogging-Ausflug am frühen Sonntagmorgen aufgerafft. Im Hintergrund glitzert der Zürichsee.

zVg.

1. #SoreMusclesStillHustle: «Ja, ich habe ein Syndrom»

Ich bin ehrlich. Würde ich Freunde und Familie fragen, «Hey, hab ich eigentlich ein Syndrom?» Einige (nur wenige, natürlich) würden mit «ja» antworten. Es könnte Gerüchte geben, dass ich zu laut und generell zu viel spreche – insbesondere am Telefon. Und gelegentlich dieselbe Frage zweihundert Mal stelle. Mein echtes, wirkliches, diagnostiziertes Syndrom ist aber ein ganz anderes. Es heisst: Iliotibiales Bandsyndrom (oder: Tractus Iliotibialis). Meine erste Problemzone ist also ein Läuferknie. Meine allererste (und zum Glück recht harmlose, trotzdem nervige) SPORTverletzung. Trotzdem: Es ist ein Riesenseich. Wie das kommt? Überlastung vermutlich – Problemzone 2 hilft auch nicht. 

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Die MTT trabt am Greifenseelauf 2019 heran. Wir beobachten eine klare Fersenschritt-Tendenz. Die Arme sind auf jeden Fall auch dabei. 

ertappt.ch

2. #MuskelnMussManKönnen: «Ich muss laufen lernen» 

Beim Greifenseelauf hielt ich mich für eine Antilope. Die Bilder erzählten danach eine andere Geschichte – mehr Dampflok, weniger filigranes Hüpfwesen. Laufstil? Stil lebe ich hoffentlich in anderen Bereichen meines Lebens. Vor rund drei Jahren half ich meiner Tochter beim Laufen lernen. Mit 41 muss auch ich von vorne anfangen. Zum Glück bekomme ich Hilfe von einer Schweizer Lauflegende. Markus Ryffel coacht mich. Das Resultat seiner ersten Analyse? Ich fühle mich wie ein A380 beim Start. Ich habe noch Luft nach oben. Viel Luft leider. Ich bin Fersenläuferin mit Riesenschritten und auch bei der Ausrüstung noch nicht am Ziel. Arme und Hüften sind ebenfalls mehr dabei als mittendrin. Die Waden sind zu schwach und der Hintern ist schlicht hinten. Ich fühle mich wie Roald Amundsen, der 1911 zum Südpol aufbrach. Nur suche ich meine Rumpfmuskulatur. 

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Markus Ryffel und MTT Bettina nach der Laufanalyse. Im Laufsport ist er eine Legende. Rund 30 Jahre nach seinem Karriereende hält der heute 65-Jährige immer noch die Schweizer Rekorde über 3000 und 5000 Meter. Den New York City Marathon hat er schon viele Male hinter sich gebracht. Zuversicht ist nun das Wort der Stunde – Coach Ryffel ist streng. Und ich kanalisiere ganz brav meine innere Streberin. 

zVg.

3. #EatToCompete: «Essen ist Treibstoff»

An Essen habe ich Freude. Snacken mag ich auch. In Kombination mit zwei Kindern, die ihre Teller nicht aufessen («Ich ess das mal eben noch fertig.») sind diese zwei Eigenschaften verhängnisvoll. 2019 habe ich rund 15 «Teller aufessen, sonst regnets»-Kilos verloren. Ziemlich zwanglos: Mehr Sport, kaum Weisswein und weniger Süsses essen. 2020 sehe ich mich mit einer neuen Situation konfrontiert: Die Philosophie vieler #Selflove-Influencer macht plötzlich mehr Sinn. Weil ich nicht komplett doof und blauäugig vor mich hin marathönle, ist mir klar, dass Nahrung mein Treibstoff ist. Wer viel trainiert, muss nicht zwingend dreizehn Mal mehr essen, aber auf jeden Fall besser und richtig. Davon habe ich jetzt, Stand Anfang März, leider noch keine Ahnung. Werde mir nun ein Buch kaufen. 

4. #BreakingTheWall: «Die Beine sind tot, der Kopf läuft weiter.»

Einen Satz von Coach Ryffel werde ich nie wieder vergessen: «Ab Kilometer 30 sind deine Beine tot. Dann machst dus mit dem Kopf und den Armen.» Das ist offenbar wie bei Surfern. Einst habe ich gelesen, dass 90% des Surfens aus genialer Wasserbeobachtung bestehen soll. Die restlichen 10 Prozent seien Können. Surfer verwerfen nun sicher die Hände, selbst ich als Nicht-Surferin halte dies für unwahrscheinlich. Ein Sandkorn Wahrheit steckt aber drin – Sport findet auch im Kopf statt. Durchhalten, wenns dich ankäst. Durchhalten, solange es noch geht. Joggen gehen, wenns schifft. Aktuell glaube ich (noch), das sei meine einfachste Übung. Es könnte sein, dass ich mich täusche. 

#BettinaRennt los

41 Jahre lang habe ich vor allem mein Sitzfleisch trainiert. Nach einem Jahr Rennen bereite ich mich auf meinen ersten Marathon vor. Angeblich wächst man ja an seinen Herausforderungen. Die ist bei 42,195 Kilometern sicher gross (und weit) genug. New York mag ich so als Stadt, warum da nicht mal joggen gehen, oder? Als Neuling im Sport-Metier ist mir klar – ich kann das nicht allein. Deshalb hilft mir Markus Ryffel. Der weiss, wovon er spricht. Und er hat schon, sagen wirs mal leger, ein paar Marathönchen hinter sich.

Meine Reise nach New York und damit meinen Startplatz am TCS New York City Marathon habe ich via markusryffels.ch gebucht (und bezahlt – mit einem Journalistenrabatt. Totale Sportlerinnen-Transparenz!). Obs klappen wird? Wir werden sehen. Ich gelobe, fleissig zu sein. Startschuss ist am 1. November 2020 – bis dahin gibts hier bei schweizer-illustrierte.ch regelmässige Updates. 

5. #IchhabKinderDasSindGründe: Logistik, Logistik, Logistik

Erst schaffen wir mal die grossen logistischen Probleme aus der Welt: Ja, ich habe einen Startplatz in New York. Ich habe eine Laufreise bei Ryffel gebucht. Dafür zahle ich übrigens auch (einfach fürs Protokoll, ja?). An der Lotterie um einen Startplatz musste ich also nicht teilnehmen. Jetzt zur echten, realen Logistik: Ich habe zwei schulpflichtige Kinder, arbeite, mache zwischendurch auch gerne eine Pause, verbringe den Löwenanteil meiner Freizeit mit selbigen Kindern. Noch muss ich keine – wie es im Laufjargon heisst – «Kilometer fressen». Wie ich das ab Ende Mai in meinem Zeitplan unterbringen werde, ist mir im Moment noch unklar. Schritt 1 ist immerhin erledigt – die Familie unterstützt mich. Das haben wir vor der Anmeldung so abgemacht – wenn Mama joggen muss, muss sie joggen.  

Und jetzt? In den nächsten 8 Monaten kriegen wir diese «Challenges» in den Griff (gibts eine Alternative?). Ich habe eine Physiotherapeutin, einen Trainer, bald Bücher und einen Laptop mit Zugang zu grenzenlosem Wissen. 42,195 Kilometer – bestes Druckmittel ever. Doch was, wenns nicht klappt? Am Willen solls nicht scheitern. Ich verspreche, fleissig und brav zu sein. Und gebe mein Bestes. Das wird hoffentlich reichen.  

Von Bettina Bendiner am 12.03.2020
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