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Pflege der Atemwege

Infektionsrisiko senken: Das kann helfen!

Ein Blick in die Biologie zeigt, dass es neben der Handhygiene noch weitere Möglichkeiten gibt, um das Risiko einer schweren Corona-Infektion zu reduzieren. ETH-Professorin Viola Vogel erklärt, wie das geht.

Lunge aus Blumen

Einatmen und wieder ausatmen: Um gesund zu bleiben, können wir die Atemwege mit einfachen Tricks unterstützen. 

Getty Images

Wir wissen alle, wie wichtig eine gute Hand­hygiene und Abstandhalten sind, wenn wir uns und andere vor einer Ansteckung mit dem neuen Coronavirus schützen wollen. Das sind zielfüh­rende Massnahmen, um die Epidemie zu dämp­fen und so das Gesundheitssystem zu entlasten. Um die Schwere des Krankheitsverlaufs zu beeinflussen, stehen uns jedoch noch weitere Massnahmen zur Verfügung: Einen wesentli­chen Beitrag leisten können nämlich auch eine bewusste Pflege des Rachenraums sowie alles, was die Selbstreinigungskräfte der Atemwege unterstützt. Je mehr sich das Virus bei uns ausbreitet, desto weniger lässt sich verhindern, dass wir mit ihm in Berührung kommen, und desto wichtiger wird es sein, dass möglichst wenige der Viruspartikel in die Lunge gelangen und dort Entzündungsreaktio­nen hervorrufen.

Unser Körper bekämpft Viren generell nicht nur mit spezifischen Antikörpern, sondern nutzt noch eine ganze Reihe weiterer Abwehrmechanismen, die unspezifisch und da­her bereits beim ersten Kontakt selbst mit einem neuen Erreger wirken. Ein Blick in die Biologie hilft, diese körperei­genen Mechanismen zu nutzen und zu fördern: Was geschieht auf der Reise des Coronavirus durch den Körper, bevor es die Zellen befällt? Nach dem gegenwärtigen Wissensstand ver­breitet sich das Coronavirus vor allem über Tröpfchen. Das geschieht, wenn eine infizierte Person von kleinsten Wassertröpfchen umge­bene Viren ausatmet und ein weiterer Mensch in seiner Nähe diese gleich wieder einatmet. Diese Tröpfchen bleiben entweder an den Schleim­häuten der Nase, des Rachenraums oder an den Wänden der Luftröhre und Bronchien haften.

Damit sich das Virus vervielfältigen kann, muss es dort eine Schleimhautzelle befallen. Dieser Schritt erfordert Zeit. Dabei multipliziert das Virus seine genetische Information, stellt eine grosse Menge neuer Viruspartikel her und lässt die Wirtszelle platzen, wodurch die Virus­partikel freigesetzt werden. Über mehrere Ver­mehrungszyklen kann sich das Virus so weiter in den Atemwegen bis tief in die letzten Verzwei­gungen der Lunge ausbreiten.

Atemwege mit Selbstreinigungsmechanismen

Die Atemwege besitzen allerdings äusserst wirksame Selbstreinigungsmechanismen: Ihre Wände bestehen aus Zellen mit winzigen Flim­merhärchen, auf denen eine dünne Schleim­schicht liegt. Diese Härchen bewegen sich syn­chron im Kreis und transportieren so den Schleim wie auf einem Fliessband langsam von den Bron­chien in den Rachenraum hoch. Auch die im Schleim abgelagerten Partikel werden so aus den Atemwegen rausgeschafft. Dieses zellgetriebene Fliessband gerät allerdings ins Stottern, wenn der Schleim zu zähflüssig oder die Schleim­schicht zu dick wird.

Es ist wichtig zu realisieren, dass wir nicht un­bedingt beim ersten Einatmen eines Virusparti­kels infiziert werden. Die Wahrscheinlichkeit einer Infektion steigt mit der Zahl der Viren an – die Dosis an Viren ist also entscheidend. Bereits das Atmen durch die Nase reduziert die Zahl der Viren, die in den Mund und Rachenraum ge­langen.

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Solange sich die Viren dann in unserem Rachenraum befinden, lässt sich ihre Zahl mit verschiedenen antiviralwirkenden Mundspü­lungen reduzieren. Auch bewährte Hausmittel wie Gurgeln und heissen Ingwertee trinken, mit denen wir frühe Symptome einer Grippe be­kämpfen, haben dabei durchaus ihre Berech­tigung. Um die Schleimschicht in unseren Atem­ wegen dünnflüssig zu halten und somit das zelluläre Reinigungsfliessband effektiv nutzen zu können, ist das regelmässige Inhalieren von Wasserdampf hilfreich. Und um die Fresszellen in den Lungenbläschen möglichst effizient Viren bekämpfen zu lassen, hilft es, sich keinen ande­ren Umweltschadstoffen wie Feinstaub auszu­setzen und auch auf das Rauchen zu verzichten.

Wir sehen also: Auf allen Stufen, von der Nase zum Rachen, über die Bronchien bis tief in die Lunge, lässt sich die Zahl der Viren durch kleine Zusatzmassnahmen reduzieren. Und diese Zahl der Viren ist entscheidend, ob es zu einer Lungeninfektion kommt oder nicht. Wir sind dem Coronavirus nicht hilflos ausgeliefert. Jede und jeder von uns kann einen Eigenbeitrag leisten, um das Virus in Schach zu halten.

Mit welchen Massnahmen schützt ihr euch? 

Von Lisa Merz am 24.09.2020
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