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Ekzeme, Juckreiz und Selbstzweifel

Mein Kampf im Umgang mit Neurodermitis

Redaktorin Lara leidet seit sieben Jahren an der Hautkrankheit Neurodermitis. Wie sie damit umgeht und warum sie schlussendlich durch einen schlimmen Ausbruch zur Selbstliebe fand, lest ihr hier.

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Eine Neurodermitis bringt nicht nur höllischen Juckreiz, sondern auch psychische Unsicherheit mit sich.

Getty Images/imageBROKER RF

Es ist 06.15 Uhr. Ahnungslos erwache ich aus meinem Dornröschenschlaf und will dem nervigen Piepsen des Weckers ein Ende setzen. Doch meine Augen wollen nicht wie üblich aufspringen. Was ist da los? Mit bewusster Anstrengung ziehe ich meine Lider hoch. Meine Augen brennen und beissen. Vor dem Spiegel die traurige Erkenntnis, dass sie aussehen wie zwei aufgeblasene Ballone. Neurodermitis schläft eben nicht. Die Hautkrankheit hat über Nacht mal wieder ordentlich Gas gegeben.

Wer noch nie von Neurodermitis gehört hat, soll sich bitte kurz erheben und einige Freudensprünge machen. Ihr könnt so happy sein, dass ihr euch damit nicht auseinandersetzen müsst. Sitzt ihr wieder? Gut. Dann kommen wir jetzt zu denen, den diese Hautkrankheit Wut, Juckreiz, Schmerzen und Selbstzweifel einbrockt. Wie? Ich erzähls euch.

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Was ist Neurodermitis überhaupt?

Neurodermitis ist eine Hautkrankheit, die durch erbliche Veranlagung, Stress, Infektionen, eine Störung des Stoffwechsels, Veränderung des Hautbilds oder Umwelteinflüsse Ekzeme hervorruft. Welche dieser Möglichkeiten der Verursacher ist, versucht man mittels Allergietest, Therapien und Behandlungen herauszufinden.

Die ausgelösten Ausschläge erscheinen an beliebigen Körperstellen, häufig an den Ellenbogen und in den Kniekehlen. Dort ist die Haut ganz dünn, gerötet, wird rau und die oberen Hautzellen sterben ab, sodass sie schliesslich in Form von überschüssigen Schüppchen über den Körper rieseln. Und lasst mich euch eines sagen: Die Ausschläge beissen. Höllisch. 24 Stunden am Tag.

Das Kratzen wird zur Sucht

Ich kratze, reibe und befummle mein Gesicht, den Hals und die Ellenbogen non-stop. Es wird zur Sucht. Ein Griff zu den Augenwinkeln ist Routine, ich kratze mich in der Nacht (unbewusst) bis ich blute und in jeder Stresssituation reiben meine Fingernägel automatisch an den Ellenbogen. Alles nur, damit das Beissen für zwei himmlische Sekunden aufhört. Wie ein Junkie, der nur noch dieses eine Mal seine Dröhnung braucht. «Ein allerletztes Mal die Hautschuppen wegrubbeln, dann mach ich es nie wieder, ich schwöre!» Aber ihr wisst ja, wie das mit einer Sucht läuft.

Selbstzweifel ahoi

Als ich vor sieben Jahren das erste Mal die Ausschläge hatte, wusste ich es noch nicht. Das Kratzen schleuderte mich in die Arme eines Teufelskreises. Je mehr ich mit den Händen an den gereizten Stellen herumspielte, desto mehr breitete sich der Juckreiz aus. Neurodermitis schürt Wut gegen den eigenen Körper. Sie macht alt und faltig. Das ist nicht wirklich das schöne, gesunde Erscheinungsbild, das ich mir als 20-Jährige wünsche.

Auch schmissige Sprüche von Bekannten setzen der eh schon verunsicherten Psyche zu. Versteht mich nicht falsch: Wenn jemand nichts von der Neurodermitis weiss, sieht ein rotes Auge vielleicht nach einer Schlägerei oder einer wilden Partynacht aus. Aber das muss mir niemand unter die Nase reiben. Schliesslich schlummert immer ein klitzekleiner Funken Hoffnung in mir, dass der Ausschlag anderen gar nicht so stark auffällt.

Die Sache mit dem Kortison

So hat man irgendwann die Schnauze voll und kommt um Behandlungen nicht mehr herum. Der erste Versuch mit rein homöopathischen Mitteln schmeckte meinem Körper aber nicht. Er reagierte mit einer bakteriellen Entzündung. Da half nur noch Kortison vom Notarzt, gefolgt von einem herrlich ausschlagsfreien Monat. Aber wäre es immer so einfach, würde ich diesen Artikel wohl nicht schreiben.

Kortison hat einen grossen Haken: Es bekämpft die Krankheit nur oberflächlich und temporär. Die auslösende Ursache wird von dem Medikament weder gefunden noch behoben. Es war also wenig überraschend, dass die Ekzeme bald ein rauschendes Comeback feierten. Ich suchte eine neue Naturheilpraktikerin auf, die befand, mein schlechter Stoffwechsel sei das Hauptproblem. Es mag stimmen, dass mein Stoffwechsel zum Davonlaufen mühsam ist, aber auch nach zwei Monaten Darmkur änderte sich an meiner Haut praktisch nix.

Es folgten zwei stürmische Jahre. Mal kamen die Ausschläge zurück und verflogen in Windeseile, mal schlugen sie meterhohe Wellen und liessen mich in Wut und Verzweiflung ertrinken. Schliesslich machte ich eine Bioresonanz-Therapie. Dafür musste ich sämtliche Kuhmilch-Produkte aus meinem Ernährungsplan streichen, weil diesmal sie zum Neurodermitis-Auslöser ernannt wurden. Ich zog die Therapie drei Monate durch und … erlitt den schlimmsten Neurodermitis-Schub ever. Mein Geduldsfaden riss. Mal wieder.

Das *Klick* im Kopf

Etwas Gutes hatte dieser Ausbruch: Er verunsicherte mich so sehr, dass ich drei Tage das Haus nicht verliess. Es ist wirklich erstaunlich, wie viel Selbstmitleid und Unsicherheit in den eigenen vier Wänden herrschen können. Aber diese Gefühle zwingen einen zum Nachdenken. Über sich und den eigenen Körper. Und dann hat es *Klick* gemacht in meinem Kopf.

Ich verstaute mein Make-up in der untersten Schublade, kippte alle parfümierten Produkte in den Müll und ging keinem Spiegel mehr aus dem Weg. Bringt ja nichts in einer Tour gegen den eigenen Körper zu rebellieren. Und so konnte ich (Achtung, jetzt wirds kitschig) endlich mit meiner Krankheit Frieden schliessen.

Ich beschloss die beiden Dinge zu kombinieren, die bisher einzeln nicht funktionierten: die starken Salben der Schulmedizin mit den Nährstoffmitteln der Naturheilkunde. Mein Hausarzt verschrieb mir Anti-Juckreiz-Tabletten und gab mir zwei Salben (sogar ohne Kortison). Der neue Naturheilpraktiker pumpte mich mit Aminosäuren, Zink und Vitaminen voll, die ich nun täglich nehme. Das Resultat? Babyweiche Haut. Kein Witz jetzt. Seht selbst:

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Die Entwicklung ist erstaunlich: Die einst dehydrierte und juckende Haut ist jetzt zart wie ein Babypopo.

Lara Zehnder

So sieht meine Pflege heute aus

Die Erkenntnis, dass ich meine Krankheit akzeptieren muss und sie zu mir gehört, hat bestimmt einen grossen Beitrag zur Besserung geleistet. Ich fühle mich wohler und fitter und das liegt bestimmt nicht nur am besseren Stoffwechsel. So sehr ich das auch immer bestritten habe, die Psyche spielt eben doch eine grosse Rolle bei der Neurodermitis.

Auf den aktuellen Lorbeeren ausruhen ist aber nicht drin. Die starke Salbe vom Hausarzt sollte man nämlich nicht zu lange benutzen. Meine Hautpflege beschränkt sich nun allerdings auf die unten aufgeführten Produkte. Die sind übrigens nach wie vor parfümfrei und mit mehrheitlich natürlichen Inhaltsstoffen. Einer guten, ausbruchsfreien Zukunft sollte also nichts mehr im Wege stehen.

Von Lara Zehnder am 19.02.2020
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