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Interne Facebook-Studie zeigt

So sehr schlägt Instagram auf die Psyche

Selbstzweifel, Angstzustände, Depressionen: All das kann Social Media laut einer inoffiziellen Studie von Facebook auslösen. Warum perfekt inszenierte Bilder unser Selbstwertgefühl negativ beeinflussen und wie wir uns davor schützen können, erklärt Digitalexpertin Sarah Genner.

PARIS, FRANCE - NOVEMBER 25: Noa Souffir wears a pale pastel purple pink and green wool striped pullover from Rose Carmine, a watch, blue denim jeans pants from Levi's, takes a picture with an Iphone 12 covered in an orange phone case, on November 25, 2020 in Paris, France. (Photo by Edward Berthelot/Getty Images)

«Auf jungen Frauen lastet ein besonders grosser Druck, was das Aussehen betrifft», erklärt Sarah Genner.

Getty Images

Flacher Bauch, runder Po und makellose Haut – so begegnen uns Stars wie Kylie Jenner oder Jennifer Lopez tagtäglich auf Instagram. Cellulite, Falten oder Speckröllchen? Fehlanzeige. Durch die vermeintlich perfekten Vorbilder kann das eigene Selbstbild schnell ins Wanken geraten, wie Digitalexpertin Sarah Genner weiss: «Wir vergleichen uns ständig, online wie offline. Auf Social Media steuern jedoch viele ihre Selbstdarstellung durch eine gezielte Bildauswahl, Filter und Photoshop», sagt sie. Wie früher Barbie-Puppen oder bearbeitete Fotos in Magazinen könne das zu einem unrealistischen Körperbild führen und Selbstzweifel hervorrufen

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Jede dritte Teenagerin betroffen

Wie sehr vor allem Instagram auf die Psyche schlagen kann, legte vor wenigen Wochen eine Studie offen. Die Ironie: Sie stammt vom Plattform-Besitzer selbst. Doch der Facebook-Konzern – zu dem neben Facebook auch Whatsapp und Instagram gehören – hat die Zahlen nicht selbst publiziert. Die internen Informationen gelangten über das Wall Street Journal an die Öffentlichkeit. In der Studie gab jede dritte Teenagerin an, dass Instagram ihr Körperbild negativ beeinflusst. Jugendliche machen die Plattform auch für vermehrte Angstzustände und Depressionen verantwortlich. Sogar Suizidgedanken soll sie auslösen: So führen 6 Prozent der amerikanischen und 18 Prozent der britischen Nutzerinnen mit Suizidgedanken diese auf Instagram zurück.

Sarah Genner überraschen die Zahlen nicht. Schon frühere Studien hätten gezeigt, welche Risiken soziale Medien bergen – vor allem für Jugendliche: «Sie befinden sich noch in der Identitätsentwicklung und wünschen sich Zugehörigkeit. Sie fragen sich, ob sie liebenswert sind, wenn sie nicht so aussehen wie ihre Vorbilder.» Das betreffe Jungs, wie auch Mädchen. Zweitere seien aber mehr betroffen: «Auf jungen Frauen lastet ein besonders grosser Druck, was das Aussehen betrifft», erklärt Genner. 

Facebook relativiert die Gefahren 

Das Unternehmen wisse, wie toxisch Instagram sei, schlussfolgert das Wall Street Journal aus den geleakten Dokumenten. Und was sagt Facebook dazu? Der Betreiber wehrt sich in einem externen Blogpost. Die Argumente: Die Studie sei mit 40 Teilnehmenden nicht repräsentativ. Ausserdem handle es sich bei den zitierten Stellen nur um Ausschnitte. Die Studie würde nämlich auch zahlreiche positive Effekte der Plattform bestätigen.

So richtig überzeugen die Argumente nicht. «Eine Firma hat auch eine ethische Verantwortung. Die gerät jedoch oft mit geschäftlichen Interessen in Konflikt. Die geleakten Dokumente zeigen aber auch, dass es durchaus Mitarbeitende im Konzern gibt, die etwas ändern wollen. Ob sich diese Kräfte intern durchsetzen können, hängt wohl auch vom öffentlichen Druck ab», sagt Sarah Genner.

Im Kampf für mehr Body Positivity 

Norwegen nimmt die Zügel derweilen selbst in die Hand. Ab Sommer 2022 ist im Land das Retuschieren einzelner Körperteile verboten, sofern die bearbeiteten Stellen nicht gekennzeichnet werden. Das gilt bei Werbeplakaten wie auf sozialen Medien. Die Regierung will so Kinder und Jugendliche vor einem falschen Körperkult schützen. 

Einen ähnlichen Weg gehen auch immer mehr Influencer*innen. Mit «Body Positivity» zeigen sie ihren Follower*innen, wo die Unterschiede zwischen Instagram und der Realität liegen. Dafür verzichten sie bewusst auf bearbeitete Bilder und stehen offen zu ihren «Makeln». So räumt zum Beispiel die Schweizer Influencerin Anja Zeidler immer wieder mit Photoshop- und anderen Schönheitsmythen auf:

Und Plus-Size-Model Ashley Graham steht offen zu ihren Dehnungsstreifen und animiert damit zu mehr Selbstliebe: 

Dass vor allem das richtige Posing eine grosse Rolle spielt, macht Influencerin Natalie Stommel ihren Follower*innen deutlich:

Die inneren Werte zählen

Genner findet die Ansätze gut. Sie bezweifelt aber, dass dies alleine reicht. Es brauche ein Umdenken, so die Expertin: «Wir fokussieren zu sehr auf äussere Werte. Ein gutes Aussehen heisst für viele automatisch Erfolg. Das sollten wir überdenken.» So könne Erfolg bedeuten, dass man erfüllende Beziehungen führt, persönlichen Ziele verfolgt und mit sich selbst zufrieden ist. Vor allem letzteres sei entscheidend: «Wer sich selbst mag, lässt sich auch weniger durch Social Media beeinflussen», sagt Sarah Genner. 

Von Deborah Bischof am 14.10.2021
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