1. Home
  2. Body & Health
  3. Health
  4. Social Distancing: Werden wir wegen Corona vereinsamen?

Social Distancing

Werden wir wegen Corona vereinsamen?

Im Kampf gegen den Virus lautet die Devise seit diesem Mittwoch: Abstand halten. Doch wie wirkt sich das langfristig auf unser Sozialleben aus? Die Chancen, dass wir noch mehr socially awkward werden, als wir es ohnehin schon sind, stehen gut.

Young woman holding a cup of coffee looking outside

Machen die Corona-Massnahmen uns einsam? 

Getty Images

Am 25. Februar bestätigte die Schweiz ihren ersten Corona-Fall. Seither erkrankten 57 weitere Menschen, 39 warten noch auf ein eindeutiges Ergebnis (Stand 5. März 2020). Kein Wunder, dass der Bundesrat bei der raschen Verbreitung durchgreift und Grossveranstaltungen und Swiss Flüge streicht. Doch neben all dem, gilt es für uns auch im Alltag immer mehr Regeln zu befolgen. Die neuste Massnahme des Bunds: «Social Distancing». Auf deutsch bedeutet das, wir sollen Abstand halten, uns nicht mit Handschlag begrüssen und uns (oh, Schreck) schon gar nicht typisch Schweizerisch mit drei Küssen willkommen heissen. Jap, die Lage ist ernst.

Doch was bedeutet das für unser Leben? Dass eine strikte Umsetzung der Regeln erstmal ganz schön schwerfällt, beweist Bundesrat Alain Berset. Unmittelbar nachdem das «Social Distancing» verkündet war, liess er es sich selbst nicht nehmen, Kollegin Heidi Hanselmann per (ja, genau) Handschlag zu verabschieden. Ein Fauxpas, der uns nicht nur mit den Augen rollen lässt, sondern ausserdem zeigt: In der Realität müssen wir (anders als Hanselmann) einfach dreist sein und eine ausgestreckte Hand knallhart verweigern.

Mehr für dich

Klar, die Lage um den Virus ist brenzlig. Die um unser Sozialverhalten aber auch. Dank der ständigen Anonymität durch Textnachrichten, Instagram oder Facebook verlernen wir immer mehr, wie man sich in der realen Welt gegenüber anderen verhält. Während wir in den sozialen Medien auf ein nett gemeintes Kompliment easy mit einem «lol» reagieren können, laufen wir in Wirklichkeit rot an und rennen davon. Soziale Phobien und Angststörungen nehmen durch das Verstecken hinter dem virtuellen Ich deutlich zu. Und kommt man dann etwa gerade aus den zweiwöchigen Ferien, in denen WhatsApp vor «Ich vermisse dich»-Nachrichten nur so überquoll, aber im Real Life will einem plötzlich niemand die Hand geben, geschweige denn einen umarmen, ist das irgendwie verstörend.

Hinzukommen all die Events, die uns (eigentlich) aus dem allwinterlichen Netflix-Loch reissen sollten. Konzerte, Messen, Partys – alles abgesagt. Sogar potenzielle Dates, bei denen wir uns auf die langersehnte körperliche Nähe freuten, versetzen uns aus Angst vor Corona. Und wir? Tja, wir verkümmern allein zu Hause auf der Couch und starten ganz nach dem Motto «wenns denn sein muss» das nächste Binge-Watching. Werden wir bei all der Einsamkeit dann auch noch zum Home-Office verdonnert, kann gut und gerne mal ein Tag vergehen, an dem nicht ein einziges Wort unseren Mund verlässt.

Wir wollen nicht sagen, der physische Abstand zu anderen sei aktuell nicht wichtig, im Gegenteil. Nur muss uns bewusst sein, dass unsere Psyche gleichzeitig ganz schön unter dem fehlenden Körperkontakt leiden kann. 

 

Von Denise Kühn am 05.03.2020
Mehr für dich