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Achtung, hier kommt das Kitzelmonster

Darum müssen wir beim Kitzeln lachen

Ständig werden wir von unseren Liebsten gekitzelt – das nervt! Aber obwohl wir am liebsten wütend davonziehen würden, winden wir uns und können uns vor Lachen kaum mehr halten. Warum liefern wir uns dem Zwicken und Piksen so hilflos aus? Wir lösen das Rätsel auf.

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Was sich liebt, das neckt, äh kitzelt sich…

Getty Images
Lara Zehnder

Wer mich kennt, der weiss, wie unfassbar kitzlig ich bin. Erwischen meine Stiefgeschwister, Eltern oder Freunde mich an der Taille, unter den Armen oder – noch schlimmer – an den Füssen, könnte ich durchdrehen. Das Kitzeln provoziert mich dermassen, dass ich wild herumzapple und dauernd «stopp» rufe. Ich bin total genervt, doch statt eines Wutanfalls, kriegt mein Gegenüber nur mein lautstarkes Gelächter zu hören.

Die Kitzelei ist Selbstschutz

Bei meinem Gekichere wundert es mich nicht, dass der Kitzler schamlos weitermacht und mein Gezappel nicht als Abwehrmanöver versteht. Die Wissenschaft vermutet allerdings, dass es bei der Kitzelei genau darum geht: Abwehr und Selbstschutz. Unsere Haut ist ein empfindliches Sinnesorgan, das schon die feinsten Berührungen wahrnimmt und damit Signale an unser Gehirn sendet. Werden wir unerwartet angefasst, will sich unser Körper schützen, weicht aus, zuckt und krümmt sich.

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Besonders reizbar sind wir am Bauch, weil dort viele wichtige Organe liegen und wir diese um jeden Preis vor Angriffen schützen wollen. Auch die Füsse sind heikel, weil wir mit ihnen vor Gefahren wegrennen können. Werden wir an diesen Stellen berührt, wird sofort eine Alarmbotschaft an unser Gehirn gesendet und damit ein kleiner Schock ausgelöst. Sobald wir aber merken, dass es sich nur um eine Kitzel-Attacke handelt, brechen wir vor lauter Erleichterung in schallendes Gelächter aus.

Diese Theorie erklärt übrigens auch, warum wir uns selbst nicht kitzeln können: Wenn wir uns beispielsweise unter die Achseln fassen, dann weiss unser Gehirn bereits darüber Bescheid. Wir sind vorgewarnt und müssen uns vor den eigenen Fingern nicht fürchten. Somit bleibt eine Reaktion aus, wir verziehen keine Miene.

Das Gelächter ist nicht zu stoppen

So weit, so gut. Aber warum hören wir dann bei einer «Entwarnung» nicht einfach auf mit dem Lachen? Einige Forscher sind zum Entschluss gekommen, dass wir nicht aus Erleichterung lachen, sondern weil wir im Unterbewusstsein gerne gekitzelt werden (ja, mir fällt da auch die Kinnlade runter). Die Theorie: Weil unser Lachen das Gegenüber dazu ermutigt, mit dem Kitzeln weiter zu machen, sei das insgeheim ein Trick, um anderen Menschen näherzukommen, heisst es. So löst die Kitzelei Reize und Nähe aus, die beispielsweise auch beim Flirten auftreten. 

Entkommen? Nur mit schlechter Laune!

Falls ihr euch das Lachen aber trotzdem verkneifen wollt, gibt es nur einen einzigen Ausweg: Ihr lasst euch von jemandem kitzeln, den ihr nicht mögt. Ist euch schonmal aufgefallen, dass ihr euch bei mieser Laune ziemlich zusammenreissen könnt und nicht direkt losprustet? Das war kein Zufall! Tatsächlich bringt uns eine Kitzel-Attacke nur zum Lachen, wenn wir uns bei den Menschen wohlfühlen und gute Stimmung herrscht. Macht Sinn, denn fühlen wir uns belästigt oder angegriffen, bleibt die Erleichterung und somit das Gelächter aus.

Die gute Nachricht also: Wenn ihr beim Kitzeln herzhaft lachen müsst, dann fühlt ihr euch wohl und geborgen beim Gegenüber. Die schlechte Nachricht geht an alle Lovebirds (die wahrscheinlich ziemlich häufig gekitzelt werden): Wenn ihr nicht gerade im Streit seid, habt ihr keine Chance euer Lachen vor dem Partner zurückzuhalten. In diesem Sinne wünschen wir viel Durchhaltevermögen und dass nach dem fiesen Kitzeln auch ein bisschen Zärtlichkeit folgt.

Von Lara Zehnder am 06.12.2019
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