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Abwarten und Tee trinken!

Prokrastinieren geht auch richtig produktiv

Es ist kurz nach der Mittagspause, der Tag schon halb rum, aber eure To-Do-Liste immer noch lang? Und da lauert seit Tagen diese eine Aufgabe, die ihr immer weiter verschiebt? Prokrastinieren kennen wir alle. Aber das muss nichts Schlechtes sein!

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Statt mit der wichtigsten Aufgabe in den Tag zu starten gibt es bei euch erstmal einen Kaffee und die Mails von gestern? Das ist okay!

Getty Images/Westend61

Artikel mit Titeln wie «Wie wir endlich mit dem Aufschieben aufhören» oder «5 Tipps für mehr Produktivität» auf der Leseliste, tägliche To-Do-Listen auf meinem iPhone und ein Bildschirmhintergrund mit «Get Shit Done»-Aufschrift – sehr geehrte Lesende, ich gestehe: Ich prokrastiniere. Sehr gerne und vermutlich viel zu viel. Während ich einen Artikel schreibe, checke ich nebenbei meine Mails oder verliere mich beim Recherchieren in drei weiteren Berichten zu einem komplett anderen Thema. Nach Feierabend bin ich genervt von der kleinen, roten Zahl oben links an der privaten Smartphone-Liste, die voll von administrativen Dingen ist. Trotzdem überweise ich lieber erstmal das Geld für meine zwei letzten Bestellungen. Nicht absichtlich natürlich. Huch – ins Online Banking gerutscht. Wenig überraschend wird die oben erwähnte To-Do-Liste dabei nur wenig kürzer. Schlimmer noch, es kommen neue Punkte hinzu. Manchmal schreibe ich am Abend die Dinge auf, die ich stattdessen erledigt habe. Nur um etwas abhaken zu können. 

Kommt euch das bekannt vor? Dann dürft ihr jetzt aufatmen. So schlimm ist das mit dem Prokrastinieren nämlich alles gar nicht. Wenn man es richtig macht.

Aktive Prokrastination macht uns produktiv

Die Wenigsten von uns sitzen einfach am PC und starren still Löcher in die Luft, wenn sie sich zu einem Task einfach nicht durchringen können. Das übliche Verhalten sieht viel eher so aus: Mails abarbeiten, Infos heraussuchen, andere Aufgaben vorziehen … Im Klartext: Auch, wenn wir nicht das machen, was ganz oben auf unserer Liste steht, tun wir aktiv etwas Wichtiges. Im besten Fall so lange, bis da nur noch diese eine, unangenehme Aufgabe ist und uns nichts anderes übrig bleibt, als sie in Angriff zu nehmen. Disclaimer: Wenn ihr WIRKLICH nur da sitzt und Löcher in die Luft starrt (und damit passiv prokrastiniert), übernehmen wir keine Verantwortung für die Reaktion eures Chefs.

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Durchs Aufschieben erkennen wir Prioritäten

Kennt ihr das: Nachdem ihr einen Task wochenlang vor euch her geschoben und von Liste zu Liste übertragen habt, wisst ihr gar nicht mehr so genau, warum ihr ihn eigentlich unbedingt erledigen müsst. Dann macht es vielleicht Sinn, die Aufgabe endlich zu streichen! Häufig zeigt uns prokrastinieren, was wirklich wichtig ist – und was nicht mehr ist als ein unnötiger Extra-Schritt. 

Wir erkennen, was uns am Herzen liegt

Dinge, die wir lieben, schieben wir nur im Notfall auf. Wenn wir also etwas partout nicht in Angriff nehmen wollen, kann es sich lohnen, zu hinterfragen, warum es sein muss. Kommt ihr einem Ziel, für das ihr brennt, näher, wenn ihr es schafft? Dann los. Eher nicht so? Dann vielleicht, weil ihr am falschen Projekt arbeitet. Ist jeder Tag ein Struggle, kann Prokrastination ein Zeichen dafür sein, dass ihr euch neu orientieren solltet.

Prokrastinieren macht kreativ

Die Bachelorarbeit, die Abschlusspräsentation oder der Jahresbericht – auf das erste Blatt von gefühlten 200 zu starren, kann ziemlich einschüchternd sein. Das gute alte «morgen fange ich an» hingegen ziemlich verlockend. Das ist okay. Denn auch, wenn ihr nicht aktiv daran arbeitet: Aus eurem Kopf wird die Aufgabe nicht verschwinden. Ihr macht euch Gedanken, und neben jeder Menge Zweifeln (jap, sorry) ploppt garantiert auch die eine oder andere Idee in eurem Kopf auf, die am Ende für den ganz besonderen Twist sorgt.

Aufschieben führt zu besseren Entscheidungen

Schwere Entscheidungen gehören zu den Dingen, die wir am liebsten aufschieben. Wenn unser Kopf das eine und der Bauch das andere sagt (und wer von beiden was, ist ohnehin nicht ganz klar), tun wir meistens das Einfachste – nämlich erstmal gar nichts. Halb so wild, denn so haben wir Zeit, genau über alle Möglichkeiten nachzudenken, Pros und Kontras aufzuschreiben und sie abzuwägen. Am Stichtag wisst ihr genau, warum ihr euch wie entschieden habt. Und das ist ein ziemlich gutes Gefühl.

Von Malin Mueller am 31.03.2020
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