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Der Gummi-Gau

Wie Crocs es schafften, Amazon lahm zu legen

Jahr für Jahr versucht ein anderer Designer – vielleicht aus der Faszination des Hässlichen heraus – aus Crocs ein Fashion-Piece zu machen. Jetzt weisen 12 MILLIONEN PROZENT darauf hin, dass das klappen könnte. Und unsere Autorin ist beunruhigt.

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Werden wir diesen Anblick bald öfter ertragen müssen?

Getty Images

2002 wurde ein Unternehmen gegründet, dass es sich fortan zur Aufgabe machte, Schuhe herzustellen, die so hässlich waren, dass sie lediglich unsere Eltern zur Gartenarbeit tragen würden. Das klappte ziemlich gut, denn sie waren nicht nur wahnsinnig unschön, sie waren auch praktisch (weil komplett aus Plastik und daher wasser- und schmutzabweisend), frech (weil man sie kleinen Applikationen verzieren konnte) und angeblich wahnsinnig bequem. Das klingt eigentlich ziemlich exakt nachdem, wonach meine mit Freude gärtnernde Mutter in ihrem Alltag sucht – und ja, sie besitzt tatsächlich ein Paar. Damit ist sie der wandelnde Beweis dafür, dass das Konzept der Schuhe mit dem Krokodil-Logo aufging. Doch die Gummi-Schuh-Industrie gab sich damit nicht zufrieden. Sie wollte mehr.

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Der Modebranche, deren grösstes Hobby es bekanntlich ist, hässliche Dinge hip zu machen, kam das gerade recht. Nach Bauchtaschen, Radlerhosen, Dad Sneakers und Birkenstocks könnten doch Gummi-Crocs the Next Big Thing werden? Christopher Kane versuchte es mit Edelsteinen. Balenciaga mit XXL-Sohlen. Beides verkaufte sich irgendwie, doch der richtige Durchbruch blieb aus. Und ich atmete auf. Was zu weit geht, geht zu weit. Doch ich hatte die Rechnung ohne die fleischgewordene Version der Gummischuhe gemacht: Post Malone. 

Der 24-jährige Rapper spaltet nämlich die Gemüter. Zugegeben, talentfrei ist er nicht. Und ihm ist – wie dem Croc-Träger – ziemlich egal, was andere über ihn denken. Face Tattoos, weil man es selber feiert? Cool. Sich betrinken, um kreativ zu werden – eher nicht so. Offensichtlich aber ausreichend, um Schuhe für Menschen zu designen, denen ebenfalls egal ist, ob andere über die reden. Dreimal hintereinander. Und jede einzelne Version davon restlos auszuverkaufen.

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Crocs

Dann addiere man noch ein paar Stars auf Instagram dazu: Ruby Rose mit Crocs, Natalie Dormer mit Crocs. Und Priyanka Chopra, die selbst Crocs so aussehen lassen kann, als seien sie die Schuhe, nach denen wir ewig gesucht haben. Das Ergebnis? Ein Anstieg an Kaufinteressenten von Crocs auf Amazon von 12. Millionen. Prozent. Nein, ihr habt euch nicht verlesen. Erst vor ein paar Tagen spielte der Online-Händler die Zahl selbst auf seiner «Movers & Shakers»-Liste aus, die stündlich die grössten Gewinner in Sachen Verkäufe ranked. 

Ich finde das sehr, sehr beunruhigend. Ich meine … werden unsere Strassen bald voll von Gummischuhen sein, die jedem noch so schmalen Fuss Enten-Vibes verleihen? Werden schlichte, schwarze Stiefeletten von quietschbunten Clogs abgelöst? Wird meine Mutter mit ihren Gartenschuhen bald raus in die Umwelt gehen, oder, noch viel schlimmer, werde ich sie bald fragen, ob ich mir die Stücke ausleihen kann? Es bleibt abzuwarten. Aber ich sehe schlimme Zeiten auf uns zukommen. 

Von Malin Mueller am 13.02.2020
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