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Brauchen Mütter tatsächlich einen Muttertag?

Es ist wieder soweit: Am Sonntag ist offizieller Muttertag. Doch während die einen diesen Tag gebührend feiern und für ihre Mütter einen halben Zirkus veranstalten, finden andere den Tag vollkommen unnötig. Schliesslich sollte man dem Mami doch jeden Tag dankbar sein. Ein Pro und Contra.

Mother kissing daughter on cheek against wall during sunny day model released Symbolfoto EGAF00133

Ist nicht jeden Tag Muttertag?

imago images/Westend61

Muttertag. Ein Tag der Dankbarkeit und Wertschätzung. Mamis auf der ganzen Welt werden mit selbstgebastelten Geschenken, feinen Brunchs und farbigen Blumen beschenkt. Obwohl, nicht ganz alle. In manchen Familien wird der Muttertag nämlich verpönt. Das hat nichts mit Undankbarkeit zu tun, im Gegenteil. So geht es beispielsweise auch unserer Redakteurin Lisa Merz. Ihre Kollegin Lara Zehnder findet hingegen, der Muttertag ist ein festlicher und fix eingeplanter Tag im Kalender …

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Lara meint: Warum ein Ritual der Dankbarkeit ausschlagen?

Bei uns zu Hause ist der Muttertag gross und fett im Kalender eingetragen. Ich mache dann jeweils einen grosszügigen Brunch für meine Mutter und meine Oma. Heisst: Es gibt Pancakes, Mimosas, Smoothies, Früchte, Käse, Fleischaufschnitt, Brot, Toast, Lachs – was auch immer der Magen begehrt. Jedes Jahr ist es für meine Familie eine Überraschung, was wie auf dem Tisch steht. Denn ich probiere immer wieder Neues aus und decke den Tisch im 5-Sterne-Restaurant-Look. Jedes. Einzelne. Jahr. Für mich deshalb absolut unerklärlich, wieso man (als Mutter oder Oma) so einen Tag freiwillig ausschlagen sollte. Natürlich bin ich meiner Mutter das ganze Jahr über dankbar dafür, was sie alles macht. Aber so ein zusätzlicher fixer Kalendertag der Dankbarkeit ist doch auch ganz schön? Und: Ganz egal, was gerade läuft, er bringt unsere drei Generationen jedes Jahr an einen Tisch. Der Muttertag ist bei uns zu einem Ritual geworden – und keine der Beteiligten möchte es missen. Mich eingeschlossen.

Lisa meint: Warum nur an einem Tag dankbar sein?

Eines vorweg, bei Geschenken bin ich immer dabei. Vor allem dann, wenn sie von meinen beiden Töchtern kommen. Auf meinem Nachttisch liegt ein selbstgebasteltes Moosgummi-Katzen-Gesichtli, durchs Wohnzimmer fliegt eine laubgesägelte Rakete und auf meinem Home-Office-Pult steht eine Flaschenpost gefüllt mit Kraxelschrift-Botschaften. Alles Schätze, die mir einfach so zugesteckt werden. Währenddem ich das tausendste Spängeli vom Boden aufhebe, die Frist für den Zirkusferienkkurs in unseren Familienkalender eintippe oder vor einem Videocall den Bildschirm so justiere, dass man den Wäscheberg hinter mir nicht sieht. Ja, ich finde, wir Mamis müssen definitiv geehrt werden. Einen Muttertag brauche ich dazu aber nicht. 
Das beste Argument dagegen bekam ich schon als Mädchen alljährlich von meinem Mami mantramässig vorgesagt: «Bei uns ist jeder Tag Muttertag!» Sie war lange Zeit Hausfrau und kämpfte nicht nur am legendären Frauenstreiktag im Jahr 1991 für mehr Anerkennung. Muttertag zu feiern erinnerte sie an ihre Kindheit in den 50er-Jahren, als Frauen vor allem eins tun mussten: Das, was ihre Ehemänner fürs das Beste hielten. Der Haushalt war meistens Sache der Frau. Einmal im Jahr wurden sie dafür mit Blumen und Geschenken geehrt. Und da liegt auch mein Hauptproblem mit dem Muttertag: Er zelebriert ein Rollenklischee – Jahr für Jahr. 
Dass der Muttertag im Jahr 1907 ursprünglich von einer US-Frauenrechtlerin ins Leben gerufen wurde, bestärkt mich nur. Es zeigt: Rollenbilder sollten kontinuierlich und kritisch hinterfragt werden. Was vor über hundert Jahren die Anerkennung der Hausarbeit war, ist heute die Selbstbestimmung. Dazu gehört für mich auch, Frauen nicht mehr automatisch mit Hausarbeit gleichzusetzen. 
Obwohl unsere Mütter schon viel für uns erreicht haben, müssen wir uns weiterhin für eine gleichwertige Aufgabenteilung der Geschlechter einsetzen. Das zeigt nicht nur die noch immer existierende Lohnungleichheit. Auch der Mental Load sollte gerecht zwischen den Eltern aufgeteilt werden. Diese unsichtbare Familienorganisation übernimmt oft die Frau. Wir müssen darüber sprechen und die Männer miteinbeziehen. Diese zeigen schliesslich täglich, dass sie genauso gut sind im Mini-Socken unter dem Sofa hervor fischen, Knete vom Tisch kratzen und Büechli erzählen wie wir Frauen. Deshalb plädiere ich für einen Familien- statt einen Muttertag – natürlich inklusive den liebevoll bemalten Blumentöpfchen.

Wie steht ihr zum Muttertag? Erzählt es uns in den Kommentaren.

Von Lara Zehnder und Lisa Merz am 07.05.2021
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