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Nachhaltige Winterferien

Können wir noch mit gutem Gewissen Ski fahren?

Während sich leidenschaftliche Skifahrer auf der Piste versammeln, zerbrechen sich Umweltschützer über die Erhaltung der Natur und die mögliche Eliminierung von Kunstschnee die Köpfe. Kann sich Wintersport überhaupt mit Naturschutz anfreunden?

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Im Winter heisst es ab auf die Piste. Doch was meint Greta wohl dazu?

instagram/xeniaadonts

Die Wintersportsaison ist in vollem Gange und wir toben uns mal wieder auf den Pisten aus. Ob mit Ski, Board, oder Schneeschuhen: Alle Welt schleift sich mit vollgepacktem Auto durch den mühsamen Ferienverkehr, um schliesslich in den Alpen der Schweiz ihre Verbindung zur Natur zu stärken.

Natur pur? Von wegen! Wo kommt wohl bei den warmen Temperaturen der ganze Schnee her? Bestimmt nicht von Frau Holle. Viel eher kommt er aus einer Kanone geschossen, die nicht mit Luft und Liebe, sondern viel Strom und Wasser betrieben wird. Da sollte sich doch jeder einzelne Wintersportler die Frage stellen: Kann ich umweltfreundlich Winterferien machen?

Luxus vs. Umwelt

Tatsächlich tun das aber die Wenigsten. Überall locken traumhafte Spar-Angebote, neue Skilifte mit integrierter Po-Heizung und WLAN und perfekt berieselte Pisten. Schauen wir aber genauer hin, steckt hinter dem alpinen Luxus ein ökonomisch gesteuerter Umweltfeind.

Klar sollen die neuesten Innovationen der Skigebiete immer mehr Touristen auf die Piste bringen. Der Witz daran: Seit Jahren stagniert in Europa die Zahl der Wintersportler. Wer skifahren will, der tut das schon längst. Die Wintersportdestinationen streiten sich um die Sportler – und vergessen dabei ihr wertvollstes Gut: die Natur. Die Aufrüstung ist zu einem Wettbewerb geworden, bei dem die Umwelt nur verlieren kann.

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Nicht die Abfahrt, sondern die Hinfahrt ist das Problem

Sobald es genug kalt ist, laufen die Schneekanonen auf Hochtouren und zaubern mit einem Gemisch aus Eis, Matsch und Steinen eine scheinbar perfekt natürliche Piste. Über die Energieverschwendung von Schneekanonen wird ja schon lange gejammert und diskutiert. Doch den grössten CO2-Ausstoss produzieren wir nicht während der Abfahrt, sondern bereits bei der Hinfahrt.

Ja, ihr habt richtig gelesen. Jeder voraus denkende Mensch, der sich nicht mit zwei Koffern, Skiausrüstung und unbequemen Skischuhen in den Zug zwängen möchte, verreist mit dem Auto in die Berge. Und so klug und praktisch das auf den ersten Blick scheinen mag, Greta Thunberg würde jetzt mit dem Finger auf euch zeigen und den Kopf schütteln.

Dazu hat die junge Umweltaktivistin allen Grund: Rund 85 Prozent des CO2-Austosses im Wintertourismus ist auf die Anreise mit dem Auto zurückzuführen. Und wer jetzt glaubt, es gäbe ja auch autofreie Skigebiete wie Zermatt und Saas-Fee, der sollte immer an die Leichen im Keller denken. Wie kommen denn wohl die Touristen zum Skigebiet? Denkt ihr ernsthaft, dort gibt es am Dorfeingang keine Parkhäuser? Eben.

Alternativen zum alpinen Skisport lohnen sich

Die gute Nachricht ist, dass sich immer mehr Wintersportler gegen den alpinen Skisport entscheiden. Sie gehen lieber auf eine Winterwanderung oder nehmen an einem Skilanglauf im Dorf teil. Dazu benötigen sie keine Gondelbahn und sparen noch dazu jede Menge Kunstschnee.

Ausserdem wird so die Natur vor Unmengen Plastik verschont. Weniger Touristen bedeuten eben auch weniger Müll auf der Piste (ehrlich jetzt, die Schlittelpisten sehen teilweise aus wie der Campingplatz eines Musikfestivals).

Wer also fürs neue Jahr noch keine Vorsätze hat: Nutzt die Gunst der Stunde und knöpft euch mal euer Verhalten in den Winterferien vor. Steigt das nächste Mal für die Anreise in die öffentlichen Verkehrsmittel (es gibt nicht umsonst Taschen für die Skiausrüstung).

Und wer nicht gerade eine Wendy Holdener ist, der kann ruhig mal die Skier Zuhause lassen und stattdessen das Eisfeld oder den Hüttenzauber im Dorf unsicher machen.

Von Lara Zehnder am 07.01.2020
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