1. Home
  2. Body & Health
  3. Mind
  4. Global Earth Day: Die Auswirkungen von Corona auf die Umwelt

Wir haben Pause, die Welt atmet auf

Auch ohne uns fällt der Earth Day nicht aus

Am 22. April feiert der Global Earth Day sein 50. Jubiläum und gleichzeitig die Premiere, dass er ohne uns Menschen auf der Strasse stattfindet, sondern digital, von zu Hause aus. Schlecht findet das die Erde vermutlich nicht – denn sie erholt sich gerade.

Placeholder

Die Strassen bleiben am 50. Global Earth Day leer. Trotzdem können wir etwas für die Umwelt tun. 

Getty Images

Auch, wenn es erst mal ironisch klingt: Am 50. Global Earth Day protestieren wir nicht auf der Strasse, sondern drinnen vor dem PC für eine bessere Welt. Mit Lesungen in jedem Land, Social-Media-Aufrufen und Konzerten* – alles für alle erreichbar. Hauptsache, es geht von zu Hause aus. Unsere Erde dürfte das freuen. Denn während wir uns vor dem einen Virus in unseren Wohnungen verstecken, erholt sie sich langsam von einem anderen: uns. Zumindest ein Stück weit. Denn selbst jetzt schafft es der Mensch, einige der vorhandenen Probleme noch zu verschlimmern.
Aber zuerst die guten News: 

1. Dicke Luft, adé

Autos, Fabriken, Flüge – gerade steht vieles still, was normalerweise dafür verantwortlich ist, dass Schutzmasken in einigen Ländern schon vor Corona zum Stadtbild gehörten. Doch seit Dezember wird die Industrie stückweise heruntergefahren. Mittlerweile zeigen Satellitenbilder einen Rückgang der globalen Konzentration von Stickstoffdioxid. Und von Indien aus kann man seit 30 Jahren zum ersten Mal wieder auf den Himalaya blicken.

Mehr für dich
Placeholder

Von Indien aus ist das Himalaya-Gebirge durch die geringere Luftverschmutzung nach 30 Jahren wieder sichtbar.

NurPhoto via Getty Images

2. Weg mit dem CO2

Gleichzeitig sinken endlich auch die CO2-Emissionen. Denn weniger Wirtschaft heisst auch weniger Ausstoss. Carbon Brief, eine englische Website, die sich der Aufklärung in Sachen Klimawandel verschrieben hat, gab bekannt, dass die Emissionen allein in China um 25 Prozent gesunken sind. Auch auf dem Rest der Welt rechnet sie mit den drastischsten Abfällen aller Zeiten. Zu verdanken haben wir das genau den Massnahmen, gegen die wir uns bisher so gesträubt haben: Weniger Konsum und weniger Reisen. Der Flugverkehr in Deutschland etwa ist im Vergleich zum Vorjahr an nur einem Tag um 56 Prozent gesunken.

3. Mehr Platz für andere

Seitdem sich der Mensch zurückzieht, feiert die Tierwelt eine Party, denn für sie geht es bergauf. In Venedigs Kanälen schwimmen wieder Fische, Meerestiere leben durch den wenigen Schiffsverkehr ruhiger und auf den Strassen fallen weniger Igel und Frösche Autos zum Opfer. In der chinesischen Millionenstadt Shenzen wurde ausserdem das Essen von Hunden und Katzen verboten, der Verzehr von Wildtieren sogar im ganzen Land. 

Abseits der guten News

Die enormen Auswirkungen – das scheint jetzt schon klar – werden nur vorübergehend sein. Wir können nur hoffen, dass wir aus ihnen lernen. Denn leider gibt es wie immer eine Kehrseite, auch in der Krise. Die enorme Zunahme von Plastikmüll etwa, durch medizinische Produkte wie Einweghandschuhe und Masken, aber auch durch Verpackungen und in Folie gewickelte Lebensmittel, die gerade höher im Kurs stehen als je zuvor. Viele Cafés und Take-Away-Restaurants lehnen das Benutzen selbst mitgebrachter Behälter mittlerweile ab. Die Angst vor Infektionen ist zu gross. Noch dramatischer: In vielen Ländern sieht auch die Politik erst einmal von der Klimakrise ab. Die US-Umweltbehörde hat kurzerhand beschlossen, Richtlinien für umweltschädliche Unternehmen auszusetzen, Tschechien und Polen fordern einen Aufschub des europäischen Greendeals, die UN-Klimakonferenz wird um ein Jahr verschoben. Dass man Events vertagen kann, ist klar. Der Klimawandel hingegen wartet auf niemanden – das scheinen einige noch immer nicht verstanden zu haben. Deshalb ist es umso wichtiger heute am Earth Day, aber auch an jedem anderen Tag, dabei zu helfen, unsere Erde zu schonen und ihr auch nach Corona Zeit zum durchatmen zu geben. 

Von Malin Mueller am 22.04.2020
Mehr für dich