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  4. Deadstock: Diese Labels verwerten die Reste der anderen

Shoppen und die Welt verbessern

Die Mission dieser 6 Brands? Mode aus Müll

Wir alle wissen: Fast Fashion ist problematisch und ein riesiges Problem für die Umwelt. Als Konsumenten sind wir allerdings nicht die einzigen, die jede Menge Textilien entsorgen – auch die Produzenten sind Teil des Problems. Diese sechs Brands dafür Teil der Lösung.

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Aus dem, was andere wegwerfen würden, machen diese sechs Labels traumhaft schöne Mode. 

Instagram/Christydawn

Sechs stolze Kilo. Soviel Kleidung entsorgt jeder Schweizer jährlich durch Strassensammlungen und Textilcontainer. Das, was zusätzlich im normalen Haushaltskehricht landet, wird nicht mal mitgezählt. Hochgerechnet auf die Einwohnerzahl sind das 51’420 TONNEN, die unsere Nation pro Jahr entsorgt. Und trotzdem sind unsere Schränke überfüllt? Offensichtlich kaufen wir fröhlich nach, was wir wegwerfen. Es wird eher mehr als weniger. Aus dem Fast-Fashion-Hamsterrad kommt man irgendwie nicht so einfach raus. Und das ist dramatisch: Die Modeindustrie ist für mehr CO2-Emissionen verantwortlich als der gesamte Flug- und Schiffsverkehr zusammen.

Deadstock: Wenn Mode verbrannt wird

Um fair zu sein: Wir sind als Konsumenten nicht die einzigen, die Schaden anrichten. Auch die Brands selbst tragen ihren Teil zum Drama bei: mit Deadstock. Das sind die Stoffreste, die bei Zuschnitten von T-Shirts, Jacken und Mänteln übrig bleiben. Sie werden meist achtlos entsorgt. Auch das, was nach dem Sale noch im Laden hängt, landet auf der Müllhalde – oder wird direkt verbrannt. Es soll schliesslich exklusiv bleiben. Wäre ja unvertretbar, wenn eine Bedürftige nicht mehr frieren müsste, wenn sie sich mit einem aussortierten Designer-Blazer wärmt (okay, Ironie aus). 

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Natürlich gilt aber auch hier: Alle über einen Kamm zu scheren, wäre falsch. Es gibt Labels, die genau am Gegenteil arbeiten und aus dem Deadstock der Grossen ihre eigenen Kreationen zaubern. Sie machen buchstäblich Mode aus Müll – und sind es wert, kennengelernt zu werden.

Gründerin Christy war früher selbst Model und weiss, was an Mode auf dem Müll landet. Heute kauft sie die Reststoffe der Designer auf und macht daraus etwas Eigenes: vintage inspirierte Blumenkleider und – aus aktuellem Anlass – passende Schutzmasken im gleichen Muster. Genau das, was wir diesen Sommer wollen. Und das ohne schlechtes Gewissen.

Tala

Wir haben schon gelernt: Auch Active Wear geht nachhaltig. Das Label Tala geht noch einen Schritt weiter und nutzt für seine Kollektionen nicht nur umweltfreundliche Materialien, sondern auch Stoffreste direkt von den Fabriken, die sonst auf dem Müll landen würden. Ausserdem bestehen die Tags der Stücke aus Plantable Paper, aus dem Blumen wachsen, wenn man es einpflanzt. Und wir finden, das ist schon fast Grund genug, um dort einzukaufen. 

Bug Clothing

Das Londoner Label produziert alles eigenhändig im Land – und nutzt dafür nur, was der Modemarkt bereits hergibt. Zusätzlich achtet Bug darauf, ausschliesslich natürliche Materialien wiederzuverwenden und näht alles made-to-order. Die Designs brauchen deshalb eine Weile, bis sie bei uns eintreffen: Vier Wochen müssen wir abwarten. Dafür gehören wir am Ende zu den wenigen, die das Stück besitzen. Deadstock ist schliesslich nur begrenzt verfügbar. Ist er aufgebraucht, wird etwas anderes produziert. 

P.i.C. Style

Die Designer hinter P.i.C. versuchen nicht, uns alle paar Wochen zu einem neuen Kauf zu überreden. Stattdessen bieten sie (neben anderen nachhaltigen Brands) eine eigene, zwölfteilige Capsule Kollektion an, in der alles zueinander passt. Die Idee: Wir sollten lieber mit neuen Kombinationen spielen, statt alles neu zu kaufen. Zwei der Teile der Kollektion, der Minirock und das weisse Shirt, werden aus Deadstock-Baumwolle hergestellt. Aber auch alle anderen Materialien sind organisch und nachhaltig produziert. Ein schlechtes Gewissen muss also niemand haben.

The R Collective

The R Collective versucht angestrengt, vom ausrangierten Reisverschluss bis zum Ausschuss an Levi’s Jeans alles zu retten, was geht. Daraus entstehen am Ende notgedrungen oft Patchwork-Designs – allerdings so coole, dass wir sie liebend gerne in unseren Schrank hängen. Und auch die Reste, die bei ihnen selbst anfallen, landen nicht im Müll: Stoffreste werden zu Bändern für die Etiketten oder Details auf Kleidungsstücken. Die Boys und Girls denken mit.

Isabelle Fox

Baby Steps! Isabelle Fox stellt in London Mode her, die sich nicht nach Trends richtet, sondern ein Leben lang halten soll. Aus dem, was übrig bleibt, macht das Label seinen Bestseller: die «Greta Bag». Die Farben und Details der Tasche wechseln regelmässig (logisch, je nachdem was so für Reste anfallen), das Design bleibt immer das Gleiche. Aktuell gibt es Greta mit Federn in leuchtendem Pink oder in cleanem Weiss. Wir hätten gern beide. 

Von Malin Mueller am 01.07.2020
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