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Corona-Eskalation

Wieso kommt es an Weihnachten so oft zum Streit?

Die Atmosphäre soll besinnlich und die Familie gut gelaunt im Skype-Meeting zu sehen sein. In Wirklichkeit bestehen die Feiertage aus Stress und dem Druck, alles perfekt machen zu wollen. Ist das der Grund, weshalb man sich an Heiligabend so schnell in die Haare kriegt?

Weihnachtsessen

Der Tisch kann noch so schön gedeckt sein; an Heiligabend fliegen oft die Fetzen. 

Getty Images

Alle geben sich Mühe, damit das Weihnachtsfest unvergesslich wird – es soll perfekt sein. Das Fleisch für das Fondue Chinoise wurde rechtzeitig bestellt, die Verwandten sitzen ganz c-konform vor der Laptopkamera und die Geschenke liegen bereit, um für strahlende Gesichter zu sorgen (auch wenn wir die nur verpixelt durch die Webcam sehen). Die Stimmung an Weihnachten ist dieses Jahr besonders aufgeladen – es bröckelt hinter der makellosen Fassade. Kleine Meinungsverschiedenheiten nehmen in wenigen Sekunden Fahrt auf und enden im Streit.

Weihnachten = Stress

Das ergab auch eine Umfrage der American Psychological Association. Demnach klagen an den Feiertagen besonders viele Menschen über Beziehungsprobleme, und Dating-Plattformen verzeichnen um den Jahreswechsel herum die meisten Neuanmeldungen. Und als ob wir das dieses Jahr nicht schon genug getan hätten, ist Weihnachten zweifelsohne eine Zeit, in der wir uns noch intensiver mit Veränderungen und Zukunftsplänen beschäftigen. Verständlich, dass dabei eine gewisse innere Unruhe mitschwingt.

Die Sehnsucht nach alten Erinnerungen

Eine Tatsache bleibt dieses Jahr aber auf jeden Fall unverändert: Mit den ersten dekorierten Schaufenstern und Samichlaus-Schöggeli im Supermarkt kommt der Schock, dass Weihnachten schon bald wieder vor der Tür steht – viiiieeel zu früh! Doch dann bringen uns Mariah Carey und Wham! langsam in die passende Stimmung und wecken alte Erinnerungen, an die wir dieses Jahr leider nicht anknüpfen könnten. Sacha Szabo, Unterhaltungsforscher und Soziologe, erklärt den Streit an Heiligabend unter anderem damit, dass man einem idealisierten Familienbild nacheifert, dem man nicht gerecht werden kann. Aber, liebe Leute, mit alten Traditionen wird es dieses Jahr wohl sowieso nix. Also streicht das doch gleich von der Aufreger-Liste.

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Erwartung und Realität klaffen auseinander

Meist besteht die Familie an Weihnachten aus Verwandten, die sich andauernd sehen und aus Cousins, die man neben dem 24. Dezember höchstens ein Mal im Jahr trifft. Es krachen unterschiedliche soziale Rollen und mehrere Generationen aufeinander, was teilweise eine schwierige Konstellation ergibt. Und das ganze soll dieses Jahr auch noch online stattfinden? Da ist das Chaos vorprogammiert. In dieser stressigen Situation werden Kleinigkeiten, die man sonst toleriert, zum Auslöser von Diskussionen.

Wir empfehlen daher für dieses Weihnachten: Geniesst einfach die Zeit mit den Liebsten, die ihr noch sehen könnt. Es muss nicht alles perfekt sein! Die Hauptsache ist doch, dass dieses anstrengende Jahr endlich ein (gutes) Ende findet.

Von Style am 23.12.2020
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