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Schreien statt Singen

Wieso kommt es an Weihnachten immer zum Streit?

Die Atmosphäre soll besinnlich und die Familie harmonisch gestimmt sein. In Wirklichkeit bestehen die Feiertage aus Stress und dem Druck, alles perfekt machen zu wollen. Ist das der Grund, weshalb man sich an Heiligabend so schnell in die Haare kriegt?

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Der Tisch kann noch so schön gedeckt sein; an Heiligabend fliegen oft die Fetzen. 

Getty Images

Alle geben sich Mühe, damit das Weihnachtsfest unvergesslich wird – es soll perfekt sein. Das Fleisch für das Fondue Chinoise wurde rechtzeitig bestellt, die Verwandten sind aus Spanien angereist und die Geschenke liegen bereit, um für strahlende Gesichter zu sorgen. Doch irgendwie ist die Stimmung an Weihnachten immer besonders aufgeladen – es bröckelt hinter der makellosen Fassade. Kleine Meinungsverschiedenheiten nehmen in wenigen Sekunden Fahrt auf und enden im Streit. Ernährt sich jemand auch noch vegan, ist eine hitzige Diskussion geradezu vorprogrammiert. 

Weihnachten bedeutet Stress

Das ergab auch eine Umfrage der American Psychological Association. Demnach klagen an den Feiertagen besonders viele Menschen über Beziehungsprobleme, und Dating-Plattformen verzeichnen um den Jahreswechsel herum die meisten Neuanmeldungen. Zweifelsohne ist es eine Zeit, in der wir uns sehr intensiv mit Veränderungen und Zukunftsplänen beschäftigen. Verständlich, dass dabei immer eine gewisse innere Unruhe mitschwingt.

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Zu hohe Erwartungen

Es ist jedes Jahr dasselbe: Mit den ersten dekorierten Schaufenstern und Samichlaus-Schöggeli im Supermarkt kommt der Schock, dass Weihnachten schon bald wieder vor der Tür steht – viiiieeel zu früh! Doch dann bringen uns Mariah Carey und Wham! langsam in die passende Stimmung und wecken alte Erinnerungen, an die wir dieses Jahr anknüpfen wollen. Sacha Szabo, Unterhaltungsforscher und Soziologe, erklärt den Streit an Heiligabend unter anderem damit, dass man einem idealisierten Familienbild nacheifert, dem man nicht gerecht werden kann. 

Erwartung und Realität klaffen auseinander

Meist besteht die Familie an Weihnachten aus Verwandten, die sich andauernd sehen und aus Cousins, die man neben dem 24. Dezember höchstens noch ein Mal im Jahr trifft. Es krachen unterschiedliche soziale Rollen und mehrere Generationen aufeinander, was teilweise eine schwierige Konstellation ergibt. Bereits nach dem Apéro entstehen die ersten Konflikte: Wer sitzt neben wem? Wer erlaubt hier wem was? 

Dazu kommt die bedrückende Nähe: Häufig hocken einfach zu viele Menschen für zu lange Zeit aufeinander – alle drängen sich im Wohnzimmer der Grosseltern zusammen, weil es dort am gemütlichsten ist. Und plötzlich werden Kleinigkeiten (die man sonst toleriert), in dieser stressigen Situation zum Auslöser für die Feststellung, wie wenig man inzwischen noch gemeinsam hat – die Illusion ist dahin.

Motto für dieses Weihnachten: Erwartungen herunterschrauben und einfach die Zeit mit den Liebsten geniessen. Es muss nicht alles perfekt sein!

Von Jana Giger am 21.12.2019
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