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Stress und Spannung lösen

Good Vibrations – mit Zittern Stress abbauen

In Extremsituationen beginnt unser Körper ungefragt zu zittern. Das ist kein Zeichen von Schwäche, sondern eine Funktion, um Stress abzubauen. Die TRE-Methode macht sich dieses Wissen zu Nutze und lehrt, wie man gezielt zittert.

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Entspannung ist das Zauberwort beim neurogenen Zittern.

Getty Images

Stehen wir unter Strom, reagiert natürlicherweise auch unser Körper. Und zwar ziemlich deutlich: Er beginnt zu zittern. Den meisten Menschen ist das peinlich und sie versuchen es zu unterdrücken. Wer will schon, dass alle merken, wie man die Kontrolle über seine Bewegungen verliert. Dabei wäre diese Schutzfunktion, die man in der Fachsprache neurogenes Zittern nennt, extrem wichtig. «Bei Gefahr verhärten sich die Muskeln und das Gewebe automatisch, um die inneren Organe zu schützen. Und bei Stress schüttet unser Organismus entsprechende Botenstoffe aus, welche auf lange Sicht die Gesundheit schädigen können», erklärt Kathrin Fischer, Körpertherapeutin aus Zürich. 

«Durch das neurogene Zittern wird die Durchblutung gesteigert und die Muskeln und das fasziale Gewebe wieder gelockert. Gleichzeitig fördert es die Ausschüttung der Wohlfühlhormone Dopamin, Serotonin oder Oxytocin.»

 

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Im Buch «Neurogenes Zittern» erklären die beiden Autorinnen Kathrin Fischer und Hildegard Nibel, wie man neurogenes Zittern selber erlernen kann. Erschienen im Trias Verlag.  

ZVG
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Neurogenes Zittern hilft bei Schlafstörungen und Schmerz

Kathrin Fischer gibt Kurse, in denen sie zeigt, wie man neurogenes Zittern anhand der TRE-Methode selber lernen und anwenden kann. «Sicher die beste Selbsthilfe bei Stress und Ängsten, die ich kenne», sagt sie. «Am meisten nützt sie Menschen, die sich von einer längeren Stressphase erholen möchten.» Das heisst konkret bei Symptomen wie Schlafstörungen, Verdauungsbeschwerden oder auch Verspannungsschmerzen in Nacken, Schultern und im unteren Rücken, da die Muskeln permanent angespannt sind. Kathrin Fischer weiss, wovon sie spricht: «Vor einigen Jahren erhielt ich aufgrund von langanhaltenden Knieschmerzen und der Diagnose Arthrose die Empfehlung, das Kniegelenk zu ersetzen. Ich entschied mich dagegen, da ich mir als Körpertherapeutin den Gelenkersatz einfach nicht vorstellen konnte. Mit dem neurogenen Zittern konnte ich die Spannungen im Bein und in der Hüfte immer wieder bearbeiten – bis ich nach 24 Monaten endlich sagen konnte: Ich bin schmerzfrei. Und schmerzfrei bin ich jetzt nach vier Jahren immer noch, trotz Arthrose. Nur wenn ich zu viel arbeite, kommen die Verspannungsschmerzen manchmal wieder. Mit dem neurogenen Zittern habe ich aber das Werkzeug, sofort wieder etwas dagegen tun zu können.»

Sieben einfache Übungen

Die TRE-Methode (Tension and Trauma Release Exercise) besteht aus sieben einfachen Körperübungen, die ursprünglich für die Krisenhilfe entwickelt wurden. Später wurde die Methode vom Militär entdeckt und eingesetzt. Heute wird sie in über 60 Ländern vermittelt. Kathrin Fischer hat zusammen mit Dr. Hildegard Nibel das Buch «Neurogenes Zittern – Stress und Spannungen lösen» geschrieben und erklärt darin, wie man sich die Übungen selber beibringen kann.

Eine der sieben Übungen: Fokus Waden

1. Stellt euch aufrecht neben eine Wand. Steht auf einem Bein und stützt euch mit einer Hand an der Wand ab. Ihr könnt die Übung auch durchführen, ohne euch abzustützen. Achtet darauf, dass das Knie des Standbeins leicht gebeugt ist.

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Im besten Fall, sieht die Grundstellung dann so aus.

© Simone Schneider, TRIAS Verlag

2. Hebt die Ferse des Standbeins langsam 4 bis 5 cm vom Boden ab (nicht weiter!) und senkt sie ebenso langsam wieder zu Boden. Bewegt euch dabei so, dass euer restlicher Körper bei dieser Bewegung entspannt bleibt. Senkt Blick oder schliesst die Augen.

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Ferse anheben und wieder senken.

Simone Schneider, TRIAS Verlag

3. Wiederholt das so lange, bis ihr eure Wade deutlich spürt. Ist eure Wadenmuskulatur sehr gut trainiert, bleibt beim Absenken mit der Ferse etwa 1 cm in der Luft und hebt sie dann wieder an.

4. Schüttelt das Bein aus, mit dem ihr gearbeitet habt, und wechselt zum anderen.

5. Beendet die Übung, indem ihr beide Beine und den gesamten Körper leicht ausschüttelt.

6. Steht anschliessend auf beiden Füssen. Lenkt eure gesamte Aufmerksamkeit in den Körper hinein und spürt einen Moment den Bewegungen nach. Vielleicht bemerkt ihr einen Unterschied. Möglicherweise spürt ihr eure Unterschenkel etwas leichter oder schwerer, etwas wärmer oder lebendiger als vor der Übung.

Die Übungen mehrmals pro Woche wiederholen

«Die meisten Menschen spüren schon beim ersten neurogenen Zittern, dass sich im Körper etwas verändert. Bis sich gewünschte Effekte und Symptomverbesserungen einstellen und dauerhaft bleiben, sollten die Übungen mehrmals pro Woche über mehrere Wochen hinweg durchgeführt werden», sagt Kathrin Fischer.

«Ich habe aber auch schon erlebt, dass bei Menschen mit jahrelangen Schmerzen nach nur einmaligem neurogenen Zittern die Beschwerden einfach weg waren. Es gibt immer wieder Staunen und Wunder.»

Habt ihr schon Erfahrung mit Übungen wie diesen? Verratet uns, ob es euch geholfen hat.

Von Lisa Merz am 11.09.2020
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